Die Person - In der Jugend geschmiedet

Meine Wirklichkeit ist gebrochen. Wieso? Weil ich eine Kindheit und Jugend in Unterdrückung und Abtötung meiner tiefsten Lebendigkeit fristen mußte. Da ich es nur so kannte, dachte ich die ersten zwei Lebensjahrzehnte, daß es normal ist, daß der eigene Vater einen hassen muß. Daß es normal ist, nicht nur beschimpft, sondern im Mark getroffen und für unwert erklärt zu werden. Daß mir jeglicher Wert abgesprochen wurde, jegliche Existenzberechtigung über das Vegetieren als atmendes und essendes Wesen hinaus. Es gab keine Freude mit meinen Freuden, keine Dankbarkeit mit mir die Zeit zu teilen.

Die Verantwortung für all das, habe ich all die Jahre immer selber übernommen. Ich dachte, daß mit mir tatsächlich etwas nicht stimmen muß, denn wenn mein Vater, auf den ich ja hinaufsah, daß behauptet hat, dann muß das stimmen. Zweifel hätten mich in dieser durchaus abhängigen Zeit lebensgefährlich bedroht. So nahm ich den Ballast für das Scheitern eines echten Kontakts auf meine Kappe. Und das hat mich unwiederbringlich zerstört.

 

Ich werde in diesem Leben vieles nicht mehr können, und auf die Reihe bringen, einfach, weil mir als Mensch dieses Urvertrauen fehlt. Ich betone es: Als Mensch bin ich gebrochen, das muß ich so ungeschminkt sehen, denn ansonsten mache ich mir lebenslang was vor, wenn ich mich z. B. mit anderen vergleiche, die offensiv und zuversichtlich ins Leben hinaus gehen. 

Mein Aufgabe ist es nicht, irgendwo mitzuhalten, sondern es kristallisiert sich für mich immer mehr heraus, diese Bürde in Kraft umzuwandeln, denn das ist ihr tieferliegender Sinn. Es war der Schmelztiegel in der die Kraft geschmiedet wurde, um für das Gute, das Herzliche, das Echte einzutreten. Ein Schwert in der Phalanx der Lügenwelt. Und dafür war Hitze notwendig, Reibung, harte Schläge. Freiwillig habe ich mich dafür freilich nicht entschieden. 

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Meine Kindheit war von folgenden Gedanken geprägt: Wie kann ich mich Verhalten, daß mein Vater zufrieden mit mir ist? Das mag harmlos klingen, ist aber in sich absolut verdreht, und tödlich für jegliches Fünkchen Selbstwert. Es ist außerdem nicht der Job eines Kindes. Ich war kein lebendiges Wesen mehr, sondern nur noch ein Zubringer des Energiesaugers in meiner Gegenwart, der jegliche Kraft von mir für sich beanspruchte. Für mich, meine Interessen und Fähigkeiten blieb kein Platz mehr. 

Diese Ungerechtigkeit darf nicht mehr unter den Teppich gekehrt werden. Deswegen ist diese Seite nun so wichtig. Sie soll mein Manifest sein. Möge sie jedem Mut geben, der Ähnliches durchstehen mußte. Ich möchte zeigen: Es gibt Antworten.

Minderwertigkeitskomplex, 21. Januar 2016 (noch viel gepuffert, aber immerhin eine erste Offenbarung)

Der neue Christian 1 - Ich bin anders als ihr, 13. Januar 2019

Der neue Christian 2 - Es gibt nichts zu beschönigen, 14. Januar 2019

Der neue Christian 3 - Gefühle einfach wieder zulassen, 15. Januar 2019

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