Überfordert | Das Lauern


Zurück zu meiner Situation. Heute regelrecht ertrunken in den Arbeitsanforderungen. War etwas überfordert beim Setzen der Randsteine zwischen Beet und kommender Plasterfläche. Nicht nur die unübliche Höhe und Schwere des Steins, sondern die speziellen, genauen Winkelschnitte, die benötigt wurden, haben mich regelrecht aufgerieben. Vieles hat nicht gepaßt, mußte revidiert werden, fast jeder Steine mußte beidseitig geschnitten werden, so daß sich alles extrem zog.

Meinem Vorarbeiter muß ich wirklich zugute halten, daß er trotzdem weiter sehr besonnen und geduldig war. Eine professionelle, und gewissenhafte Einstellung, die ich sehr schätze. Es scheint wohl auch etwas mit den Schwaben zu tun zu haben, die im Handwerk nicht umsonst eine hohe Reputation genießen. Nich' hetze' lasse', so mal eben g'schwind, sondern genau und ordentlich!

Auch das schien mir nicht zu helfen. Bin leider nicht so weit gekommen, wie wir es gerne gehabt hätten. Es war wirklich nicht leicht, und fühle mich nun doch ziemlich geschlaucht.

Interessant ist zu beobachten, wie die Aufgabe dafür sorgt, völlig wegzutreten. Keine Chance da rauszukommen! Selbst die Mittagspause schafft da keine Abhilfe. Es ist körperlich einfach Anspannung da, die Gedanken sind stark und dominant. Die Problemstellung kann nicht einfach beiseite geschoben werden. Jetzt am Abend erst, merke ich, wie ich einigermaßen zur Ruhe komme und die Muskeln sich lösen.

---

In einem Traum kommt mir immer wieder der lauernde Blick einer für mich prägenden Person. Lauern trifft das genau. Es ist ein Blick, der einen Hinterhalt verbergen soll. Ein erwartender Blick. Ein Blick, der einfängt, in das dunkle, einsaugende Loch, aus dem er kommt.

Es ist das Fehlen der Selbstverantwortung: Die eigenen, miesen Gefühle werden nicht selber ausgetragen, sondern andere haben sie zu verantworten, und wieder ganz andere haben dann das Manko zu stopfen. Und auf die wird gehofft. Die stehen bereit. Wichtig ist nur, arm dran zu wirken. Dann kommen sie schon. Dahinter verbirgt sich eine in ihrem Ausmaß kaum faßbare Schädlichkeit.

Die Welt, mit der Natur, mit anderen Menschen, ja selbst die eigenen Kinder, Haustiere, wer auch immer, haben dich gefälligst glücklich zu machen, dich von deiner schlechten Stimmung zu befreien. Passiert das nicht, wird um sich geschlagen, alles kaputt gemacht. Man hat ja schließlich ein Recht dazu, betüdelt zu werden, als armes Opfer.

Ich halte das hier gezielt eher allgemein. Es ist mir noch ein zu sensibles Thema, um es öffentlich aufzuarbeiten.


© 2020 Christian Nikitin, Freising, Deutschland, chrnikitin[at]protonmail.com, Impressum