Meine Aufgabe


Weitere Augenmerke: Es sind nie die Anderen, die mich hindern, ich selber zu sein, auch nicht Suggestionen von Eltern, oder Prägungen durch Erinnerungen. All das mag die Art der Blockierung bestimmt haben, nicht aber die eigene Freiheit, die davon nie beeinflußt werden konnte. 

Es ist wichtig mich selber mal zu überprüfen: Wo mache ich andere dafür verantwortlich, daß es mir schlecht geht, z. B. Kollegen, Chefs oder die Gesellschaft? Wo nutze ich nicht meine Freiräume, die mehr als genug vorhanden sind? Geld habe ich zurzeit mehr als ich brauche, ich kann mich also austoben.

Es ist interessant, daß da eine Hemmung ist, mir jetzt einfach irgendwie etwas zu erlauben. Bescheidenheit ist ja eine Charaktereigenschaft mit der ich oft gelobt wurde. Besonders von meiner Mutter, und auch meiner Großmutter, wurde ich sehr oft bezirzt, auch mit meiner angeblichen Einfühlsamkeit, Bravheit und auch Schönheit. In einem Mail, daß ich in Bezug auf den Eintrag "Über das Bewerten" bekam, kam mir das auch hoch, denn dort hieß es, die Frauen würden bei mir in Wahrheit nur so dahinschmelzen. Nun gut, aber was hat das mit mir zu tun? Es mag ja alles nett klingen, aber es hält mich weiter in einem wartenden Käfig, der wieder Hoffnungen schürt, da noch irgendetwas von außen zu bekommen.

Wenn man meinen Beitrag aber nochmal durchliest, dann ist das aber nicht, was ich da gemeint habe, und bin deshalb völlig mißverstanden worden. Ich bin in meiner Situation, ob mit oder ohne Frau, ob mit oder ohne Sex, ob mit oder ohne Geselligkeit, ob mit oder ohne Geld, ob mit oder ohne Zustimmung. Selbst wenn ich mit meinen Eltern oder mit meiner Schwester, oder meiner sonstigen Verwandtschaft zu tun habe: Was sollen diese Leute mir geben? Was frage ich? Sollen die dafür sorgen, daß es mir besser geht? Können die das überhaupt? Oder hängt die Qualität eines Kontakts nicht eher von meiner Bereitschaft ab, wie weit ich überhaupt mit mir in Kontakt sein will. 

Was oben genannte Lobesfeedbacks angeht, so lassen die mich natürlich nicht kalt. Ein Teil von mir fühlt sich dadurch natürlich total geschmeichelt, eindeutig. Es ist aber genau der Teil, der sich auf die Gesellschaft orientiert, und daran haben anscheinend Frauen ein besonders starkes Interesse, denn von ihnen kommt das meist. Ich soll als Sohn, Mann, Junge dort meine Energien, Hoffnungen, meinen Tatendrang, Engagement, ja meine gesamte Begeisterungsfähigkeit und Stärke investieren, da gibt es nämlich etwas zu holen, sagen sie, ich werde dort bestimmt belohnt, denn die angeblichen Qualitäten, die ich habe, und die mir gebetsmühlenartig weisgemacht werden, weisen ja daraufhin. Auch wenn meine Erfahrung und Selbstwahrnehmung sich damit überhaupt nicht deckt, so muß daran doch etwas dran sein, und wenn nicht jetzt, dann besteht doch in der Zukunft irgendwann die Chance darauf, oder?

All das zieht mich aus meiner Kraft heraus, denn die hat damit gar nichts zu tun. Wie im Video beschrieben, ist die sogar gegen alle Konventionen gerichtet, z. B. normale Umgangsweisen mit Anderen, oder Standard-Verstandesherangehensweisen in menschlichen Kontakten. Da ändern sich alle Eigenschaften und Charakteraspekte kontinuierlich. Wenn ich vor einem Kollege böse werde, dann bin ich nicht mehr brav und nett. Nach einem langen Arbeitstag im Supermarkt, mit dreckigen Baustellenklamotten, zersaustem Haar, Schweiß unterm Arm und stinkenden Socken bin ich sicher nicht besonders attraktiv. Das nur mal als Beispiel.

Zurück zu mir: Ich habe bestimmte Möglichkeiten, und diese Barriere des Verzichtenden aufzubrechen, die ist entscheidend, nicht ob irgendwelche Frauen in meinem Leben sind. Dort ist nämlich auch insgeheim die Schranke für alle Bereiche meines Lebens. Wieso nutze ich nicht mein Geld und gönne mir jetzt schon etwas, als hier nur wie eine graue Maus rumzusitzen und zu warten, bis es durch Inflation langsam entwertet wird, oder einfach in Edelmetallen einfriert? Es ist Selbstverkümmerung, Einschränkung, die Angst sich auszubreiten, denn dann bin ich ja nicht mehr bescheiden, nicht mehr rücksichtnehmend. 

Frauen stehen auf sowas nicht, da braucht mir niemand was erzählen. Auf was sie stehen, sind Männer, die zweifellos zeigen, was sie alles wissen, was sie können, und das mit Vehemenz, und dabei ist gar nicht wichtig, ob dahinter auch was ist. Auf Rücksichtnahme, Zurückstellung, geschweige denn Bescheidenheit legt niemand wert. Auch in der Arbeitswelt erzeugt das keine Imposanz, Kunden zahlen so jemandem nicht gerne Geld, Arbeitgeber engagieren eher Mitarbeiter, die viel von sich halten. 

Ich werde das wohl in diesem Leben nicht repräsentieren können, und darum geht es auch gar nicht, sondern ich will für mich die neue Welt entdecken, die da schlummert, wo die Grenze meiner künstlichen Beschränkungen übertreten wird, und sich vor allem dann zeigt, wenn der Verstand laut Stop schreit. Besonders dann, wenn mein Verhalten als unmöglich bezeichnet wird, genau dann fängt auch das Interesse am Leben wieder an. So, und das ist meine alleinige Aufgabe.


© 2020 Christian Nikitin, Freising, Deutschland, chrnikitin[at]protonmail.com, Impressum