Freude durch Hingabe


Mann, oh Mann. Thema: Schnell laufen. Wenn es soweit ist, dann tue ich das, und zwar nicht aus Trainingsphilosphie, sondern weil ich es in dem Moment so will, ohne Verstandesvorsatz. So eben war ich nämlich total verblüfft, wie ich nach langem Arbeitstag, noch am Ende der Laufstrecke richtig schnell werden wollte, einfach so. Der Körper pumpt und schwitzt, aber mit Wohlwollen.

Was mit hineinspielt: Dieses Video von Malika Mayr. Wie sie besonders das weiße Pferd dazu ermuntert, regelrecht zu strahlen, und Freude an der Bewegung zu empfinden, hat mich doch sehr berührt. Das ist wahr, und nicht Zwang um irgendeinen bescheuerten Trainingseffekt zu erzielen. Aber das habe ich schon oft genug thematisiert, und sollte klar sein.

Wer das in sich findet, was dieses weiße Pferd in dem Video verkörpert, der hat für sein Leben gewonnen. Der kann von innen her sich an Anstrengungen erfreuen. Einerseits ist das in jedem von Natur aus angelegt, andererseits muß dafür aber durchaus was getan werden. Das Pferd bewegt sich zum Beispiel, folgt dem Mädchen, läuft, springt. Der Mensch hat darüber hinaus aber noch weit mehr Möglichkeiten.

Für mich ist das alles komplett neu. Aufgewachsen bin ich nämlich in dem Glauben, ich müsse mich schinden, Sport hieß es, oder eben Training. Allein diese Worte erzeugten schon Widerwillen in mir, auch wenn ich gerne körperlich aktiv war. Dieses erbärmliche Mindset kann ich nur noch sich selber und denen überlassen, die etwas mit oder aus sich machen wollen. Einer im Kopf, macht etwas mit dem da unten, aber Eins sein, das gibt es in dieser Vorstellung schon lange nicht mehr.

Ich sah heute einen Jungen, vielleicht vier, fünf Jahre alt. Was macht er? Laufen. Es ist wirklich nicht schwer. Und Spielen. Noch leichter.

Es ist durchaus die Frage: Wie kommt jemand dahin, das Laufen (oder Arbeiten, einen Gang zum Amt, Putzen, Reparieren, Dokumente durchgehen, Ordnung schaffen) nicht als lästige Qual zu empfinden, sondern als Sache, die gerne regelmäßig getan werden will? Was muß da passieren, was muß da verstanden werden?

Ich habe es schon angedeutet, es muß nichts anderes getan werden, als das, was z. B. die Pferde im Video machen. Sie legen sich nämlich genau nichts zurecht, um ihre Bewegungen auszuführen, brauchen keine mentale Stärke oder sonst irgendein bestimmtes Mindset. Sie tun nur das, was ihnen gut tut. Aber das alleine ist noch keine Antwort. Einfach Gras zu fressen, oder auf dem Sofa zu hocken tut sicher auch gut.

Würde ich es hier in Worte fassen, es wäre wieder eine Methode für den Verstand. Es gibt da keine Methode. Meiner Erfahrung nach ist es entweder da, oder nicht. Das Einzige was man tun kann, ist, dem einen Raum zur Entfaltung zu geben, also z. B. anzufangen zu arbeiten, oder Unerledigtes anzugehen. Im Tun selber kann sich dann ein gutes Gefühl ausbreiten. Was hier förderlich sein kann, ist eine vollständige Widmung der Aufgabe, auch Hingabe genannt.

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© 2020 Christian Nikitin, Freising, Deutschland, chrnikitin[at]protonmail.com, Impressum

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