Das eigentlich Wichtige im Leben (Vlog und Blog)


Das eigentlich Wichtige im Leben (LBRY)


Die wichtigen Momente im Leben: Nicht die, in denen ich brilliere, kompetent, sicher und stark wirke, sondern genau die, in denen ich klein, hilflos, ohnmächtig und fragend in der Zwickmühle stecke.


Das kam mir heute, als ich mit dem Bagger, mit dem ich mich ansonsten mittlerweile doch recht sicher fühle, in eine mißliche Lage kam, in Inbalance geriet, und mit jedem Steuerungsversuch die Lage nur verschlimmerte, zunehmend das Gefühl hatte mit dem Bagger umzukippen. Ich wußte auch nach innehalten und überlegen kaum aus der Situation heraus, ehe mein Chef mir ein paar Tips gab, die weiterhalfen.


Dieser Moment der Ohnmacht, des Nicht-Wissens war extrem bedeutsam. Das Ego gerät dann nämlich auf's Glatteis. Die Pose des Könnenden und Wissenden fällt dann nämlich komplett auseinander, und die kommt unvermeidlich, wenn man schon länger in einer Branche ist, sich eine gewisse Position in einer Firma erarbeitet hat und mit Leuten zusammenarbeitet, die man auf Baustellen anleitet. Kompetenz hat sicher ihren Wert, Qualitätsstreben als solches, aber diese menschliche Seite hat im Vergleich dazu einen Wert, der tausendmal tiefergreift, als jedes Fachwissen, das ich mir durch Erfahrung aneignen könnte.


Diese Denkweise "Ich habe mein Leben unter Kontrolle" ist besonders hier im Westen und in Deutschland eine regelrechte Krankheit. Ich meine: Die ganzen Maschinen wie z. B. Bagger, Autos, Kräne, suggerieren ja immer die volle Kontrolle zu haben, denn das Gerät reagiert so, wie man es von ihm erwartet, kann beliebig manipuliert und gesteuert werden. Das stimuliert natürlich den Handelnden, den Agierenden, und damit auch den sein Leben angeblich Steuernden.


Vor allem Handwerker scheinen von diesem "Ich weiß bescheid" befallen zu sein, in denen sich jeder in Grandiosität und Kompetenz zu übertreffen scheint. Ich kenne kaum einen, der demütig wirkt, geschweige denn Fehler zugeben würde. Wie gesagt: Durch meine Firma und das menschliche Umfeld neigte ich definitiv auch zu diesem Größenwahn, mich "weiter", "reifer" oder "sicherer" zu wähnen, nicht mehr der unsichere, fehlerhafte Junge zu sein, der total auf dem Schlauch steht, Angst hat, etwas kaputt zu machen, Ärger zu bekommen usw. Durch den Vorfall heute sehe ich jedoch zum Glück, welche arrogante Pose dahintersteckt, und wie unglaublich erleichternd und heilsam es ist von dieser wieder herunterzukommen.


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Mir fällt noch auf: Diese ganzen Funktionäre sind doch fast alle auf diesem Trip, denn kein einziger ist bereit einen Fehler in der Coronakrise zuzugeben. Lieber würden diese Arschlöcher sterben, als auch nur einen Millimeter von ihrem hohen Roß runterzukommen, einzugestehen, daß die Maßnahmen eben doch nicht mehr nötig sind, weil die Fakten sich nun anders darstellen. So sehr genießen sie ihre Position in diesem Gemeinwesen. Deswegen tritt diese Staatratsvorsitzende auch nach 15 Jahren immer noch nicht zurück, weil ihr Ego süchtig nach diesem Posten ist, der Stärke und Wichtigkeit suggeriert.


Dazu paßt auch die Geschichte der "Kursk", dessen Verfilmung ich mir die letzten Tage in mehreren Stücken angesehen habe. Dabei ging es um das russische Atom-U-Boot, das im Jahre 2000 aufgrund eines Unfalls in der Barentssee auf Grund ging, wobei dort wie durch ein Wunder eine Gruppe von Männern in einem Abteil zunächst überleben konnten und auf Hilfe warteten. Aufgrund der Arroganz einiger Funktionäre und Generäle jedoch, konnten diese nicht mehr rechtzeitig gerettet werden, da diese Vollidioten lange Zeit zu stur und stolz waren, ausländische Hilfe bei der Bergung anzunehmen, da ihre Rettungsboote nicht richtig funktionierten. Erst als alle schon tot waren, konnten die Schleusen schließlich geöffnet werden.


Auch was die politische Situation heute angeht kann man sagen: Die Sturheit und Borniertheit einiger weniger, inkompetenter Holzköpfe sorgt tatsächlich für Tote, wenn man sich z. B. anschaut, wie Krebsoperationen verschoben oder Selbstmorde begangen werden. Oder auch wenn man sich anschaut, wie viele Geschäftstreibende nun pleite gehen. Klar, sie bringen diese Menschen nicht direkt um, aber durch ihre Entscheidungen haben sie durchaus Menschenleben auf dem Gewissen, genauso wie die Regierung von 2015, die durch die illegale Grenzöffnung all die Opfer zu verantworten hat, die die Jahre darauf durch Terroranschläge, Messerattacken oder Vergewaltigungen auftraten.


Überall steckt derselbe Mechanismus dahinter: Das Ego weiß bescheid, und würde lieber die ganze Welt um sich herum zerstören, als einzusehen, daß es nichtig, irrelevant und bedeutungslos ist.


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Mitunter ist das sicher auch der Wert, den ich durch die Mißhandlungen in meiner Kindheit mitbekommen habe: Ich kann mir schlichtweg kein Erfolgsego aufbauen, weil ich in kritischen Phasen wie ein Kartenhaus zusammenfalle und sowas wie eine untangierbare Pose auf Dauer gar nicht aufbauen kann. Dafür habe ich einfach schon zuviel auf den Deckel bekommen, als daß ich so etwas in diesem Leben je darstellen könnte.


Ich bin einfach viel zu leicht zu erschüttern, erstarre bei kleinsten Fehlern oder Kritik, gerate völlig aus der Ruhe. Über Jahrzehnte gedemütigt zu werden, prägt unvermeidlich, und bewahrt mich sicher auch davor jemals ein Erfolgs- und Wissendenego aufbauen zu können.


© 2020 Christian Nikitin, Freising, Deutschland, chrnikitin[at]protonmail.com, Impressum