Der Scheinwiderspruch: Freizeit und Arbeit

Ich habe das viel zu kompliziert erklärt: Freizeit und Arbeit kann man nicht trennen. Oder sagt sich ein Vogel, er muß nun morgens aufstehen, irgendwohin fliegen, sich Nahrung suchen, zwitschern oder ein Nest bauen? Nein, für ihn ist diese "Arbeit" etwas, was ganz natürlich erfolgt. Da gibt es keine Trennung zwischen Freizeit hier, wo ich z. B. das mache, was ich gerne tue, und Arbeit dort, wo ich vielleicht weniger Angenehmes tue. All diese Unterscheidungen sind verstandeserzeugt.


Das Leben arbeitet non-stop. Und empfindet das überhaupt nicht als Belastung oder Zwang. Arbeitslosigkeit gibt es in der Natur gar nicht. Das heißt nicht zwanghaft immer tätig sein zu müssen. Manche Tiere wie z. B. Katzen oder Reptilien können zwar sehr untätig wirken, sind aber deswegen noch lange nicht faul oder gelangweilt. Es ist halt dann gerade nicht viel zu tun. Das ist genauso natürlich. Aber bei diesen Tieren sind das vom Körper bestimmte Zyklen, die nicht dazu führen, daß diese Wesen versacken (außer vielleicht bei domestizierten Haus- oder Zootieren).


Der Mensch hat im Gegensatz zu den Tieren natürlich weit mehr Handlungsmöglichkeiten, alleine durch die komplexeren Verstandesfähigkeiten oder auch durch die Greiforgane erschließen sich weit mehr Tätigkeitsfelder. Es muß dann nicht nur um Nahrungssuche, Unterschlupfbau oder Fortpflanzung gehen, sondern das geregelt ist die Möglichkeit da, sich mit z. B. Kunst zu betätigen, was nicht direkt mit dem physischen Überleben zu tun hat, oder etwas zu verfolgen, was mehr den religiösen, sinnsuchenden Aspekt der Existenz betrifft.


Das komplette Leben ist Freizeit, und Arbeit ist nicht etwas, was einen da leider herausreißt, sondern sie ist genauso, wenn nicht essentieller Bestandteil von dieser Freizeit, die dadurch nicht weniger wird. Viel eher wird sie aufgewertet, weil man sich so in Situation wiederfindet, die sonst nicht auftreten würden.



© 2020 Christian Nikitin, Freising, Deutschland, chrnikitin[at]protonmail.com, Impressum