Die eigentliche Motivation

Die Motivation, die ich hinter allem sehe, was ich tue, liegt definitiv im Prozeß des Bereinigens von Unklarheiten als solcher, der eine Genugtuung verschafft, gar nicht so sehr der Endzustand der Klarheit, eine Antwort gefunden zu haben.


Wenn ich z. B. die Entwicklung einer Baustelle im Gartenbau begleite, so ist das ein ständiger Vorgang der Organisation, Planung, Fehlervermeidung und Bemessung von Mengen und Zeiten. Meist bin ich dabei in einer Umgebung voller unfertiger Vorhaben, die noch abgeschlossen gehören. Motivation weiterzumachen ist aber gar nicht so sehr das Endprodukt, sondern der Vorgang im Hier und Jetzt, etwas, worauf meine Aufmerksamkeit jetzt liegt, zu einer zufriedenstellenden Lösung zu führen, und wenn es nur das Klopfen eines einzigen Steins in die richtige Position ist. Das Gesamtgeschehen ist hierbei natürlich auch im Blick, aber für den einzelnen Handlungsschritt im Moment meist weniger relevant.


Es mag komisch klingen, aber ich liebe Probleme. Es ist das, was mein Leben in gewisser Weise spannend und lebendig hält. Alle Fragen, die ich mir gestellt habe, und die ich versucht habe zu ergründen, waren immer sehr profitable, aufschlußreiche Abenteuerreisen, die als solche im nachhinein schon die Antwort waren, gar nicht so sehr die vermeintlichen Antworten, die der Verstand meint gefunden zu haben.


Ich habe z. B. irgendwann angefangen mich und meine Mitmenschen, besonders die Erwachsenen, genauer zu beobachten, und habe mich gefragt, wieso die meisten so eine Unglückseligkeit ausstrahlen. Nach ein paar Jahren bin ich nun bei dem Schluß, die Identifkation mit dem eigenen Verstand als Ursache dafür zu sehen, denn das Leben als solches ist nicht verantwortlich. Das habe ich z. B. bei einer Radtour heute herausgefunden, in der es teilweise sehr windig, kalt und auch steil bergauf ging, und diese widrigen Umstände trotzdem in gewisser Weise genossen werden konnten, wenn die Verstandesbewertungen als schlimm und schwierig nicht geglaubt werden.


Jeder, der z. B. anfängt ein neues Stück auf einem Instrument zu lernen kennt auch dieses Gefühl: Es scheint irgendwie schwierig, fast schon unmöglich das zu erlernen, aber genau das reizt mich. Es ist gar nicht so sehr die Fähigkeit, die am Ende herausspringt, sondern die Motivation ist die Begegnung mit der Herausforderung als solcher, der Versuch sie zu bewältigen.


Ich merke, daß das ungemein viele Implikationen hat, denn so gelebt zeigt sich die gesamte Existenz in einem völlig anderen Licht. Da werden Probleme, Hindernisse, Störungen nicht abgelehnt, sondern sogar willkommen geheißen. Soziale Probleme, Krise zwischen den Geschlechtern, finanzielle Schwierigkeiten all das ist dann nie mehr Anlaß zur Sorge, sondern in Wahrheit eine Riesenchance, neue Lösungen zu suchen. Die Dinge transformieren sich so auf wunderbare Weise.

© 2020 Christian Nikitin, Freising, Deutschland, chrnikitin[at]protonmail.com, Impressum