Die Kathedrale von Chartres



Von wegen finsteres Mittelalter! Viel wahrscheinlicher ist, daß man im Jahre 3000 über die Menschen um 2000 nur noch bestürzt über dessen Oberflächlichkeit sein kann.


Man mag vom Christentum halten was man will, aber was in diesen Kathedralenbau floß ist mit das Höchste, was Menschen möglich ist.


Ich war zwar noch nie persönlich an diesem Ort, aber diese Zeichnung läßt trotzdem die Wirkung des Baus zu: Er hebt empor. Gotische Baumeister schienen noch genau zu wissen, wie sie das umsetzen, um in den Menschen genau dieses Gefühl zu erzeugen.


Im Vergleich zu heutigen Glas-, Stahl- und Betonfassaden, die oft eine degradierende Wirkung haben, respektiert die Kathedrale von Chartres den Menschen, der sich in ihr aufhält, und gibt ihm weit mehr zurück, als er überhaupt jemals aufnehmen könnte.


Auch wenn die meisten einfachen Bürger wahrscheinlich gar nicht verstehen, was diesen Bau so besonders so macht, so bin ich mir ziemlich sicher, daß die Wirkung trotzdem jeder spüren kann.


Eine Besonderheit des Baus ist das in der Bodenmitte eingelassene Labyrinth mit folgendem Muster:



Die ursprüngliche Intention dahinter ist das Darstellen des Weges zu sich selbst. Daß dies kein linearer Weg ist, der direkt zum Ziel führt, sondern mit vielen Kehrtwendungen, Annäherungen und auch langen Passagen weit weg vom Kern verbunden ist.


Dennoch gibt es nur eine gangbare Möglichkeit und keine Sackgassen. Wer in dem Labyrinth ist und dem gezeichneten Weg folgt, wird nicht irregeleitet.


Außerdem ist man nie zweimal an dem selben Punkt, sondern an jedem Punkt im Labyrinth ist man nur genau einmal, und einmal durchgegangen ist man auch überall auf der Fläche gewesen. Es ist fast schon ein Wunder, daß es möglich war, so etwas ohne Lücken oder Überschneidungen zu entwerfen, aber es funktioniert.


Bilder: Bildforyou7 & Ssolbergj

© 2020 Christian Nikitin, Freising, Deutschland, chrnikitin[at]protonmail.com, Impressum

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