Die vergebliche Hoffnung auf bessere Umstände hilft

Durch die Gewißheit, daß diese Pandemie erst dann als beendet erklärt wird, wenn ein Impfstoff zur Verfügung steht, wird mir klar, daß die Hoffnung auf Lockerung oder Besserung der Umstände in nächster Zeit keine Perspektive bietet. Wie schon öfter beschrieben, sind diese Deutschen nicht nur zu Freiheit absolut unfähig: sie begrüßen viel mehr den Entzug dieser. Aber gegen Rassimus, da geht man plötzlich auf die Straße. Da kann man nur noch mit dem Kopf schütteln, angesichts dieser Entfremdung von der Wirklichkeit.


Wie dem auch sei: Es ist letztlich doch ganz hilfreich, daß es so aussieht, daß die Daumenschrauben seitens des Regimes weiter angezogen bleiben, denn dadurch hört diese Hoffnungsschleife auf, hierzulande würde sich irgendetwas zum Besseren wenden. Als ob einem das irgendwie großartig nützen würde. Sicher, ich bin auch dafür, daß diese Maßnahmen sofort beendet werden, weil sie absolut überflüßig und absurd sind, aber für die eigene Klarheit, dafür könnte es keine bessere Situation geben, worauf ich noch näher eingehen werde.


Ich muß mittlerweile immer öfter einfach nur Lachen angesichts des Irrsinns, den ich hier miterlebe. Scheinbar erwachsene Menschen verhalten sich wie kleine Kinder. Vor allem die ganzen Widersprüche sind unfaßbar z. B. was neuerdings das freigiebige Erlauben dieser anderen, politisch gewünschten Demos bei gleichzeitiger massiver Beschränkung und Behinderung der wirklich friedlichen Grundrechte-Demos angeht. Offensichtlicher kann sich ein Volk nicht verarschen lassen.


Das so deutlich zu sehen ist die eigentliche Heilung, weil nur so auch keine Energie mehr in die falsche Richtung geht, nämlich gesellschaftlich noch irgendetwas erreichen zu wollen, da auch nur ein Fünkchen der eigenen Reserven zu investieren. Bei diesen Menschen ist das nämlich unmöglich, und für einen selber sogar unnötig, weil es so oder so in jeder Art Gesellschaft nie um diese geht, sondern um mich selber in ihr. Was habe ich nämlich davon, wenn ich sehe, daß ich ja auch nicht ewig lebe, wenn sich eine Kultur in sagen wir mal einigen Jahrzehnten oder -hunderten vielleicht minimal verbessert, intelligenter, freier, selbstbestimmter zu werden scheint, sich weniger für dumm verkaufen läßt? Was hätte ich davon? Natürlich nichts. Ja selbst wenn es sogar noch zu meiner Lebzeit teilweise passiert - und da ich noch ziemlich jung bin, ist es sehr wahrscheinlich, daß ich hier noch eine andere Art miteinander zu leben miterleben werde - so habe ich damit eigentlich gar nicht wirklich etwas zu schaffen, weil es immer nur eine äußere Kulisse ist, die sich ändert.


An den grundlegenden Fragestellungen für mich wie für jeden Einzelnen ändert das nicht das Geringste: Was habe ich in diesem Leben zu schaffen? Was soll dieses ganze Theater überhaupt? Und in diesen verrückten Zeiten natürlich ganz besonders: In was für eine Irrenanstalt bin ich hier eigentlich geraten? Da kann die momentane Situation gar nicht krankhaft, verrückt, irrsinnig genug sein, denn nur so steigt der Druck und die Dringlichkeit, diesen Fragen auch wirklich auf den Grund gehen zu wollen, weil es eben anders nicht mehr zu bewältigen ist. (In den 60/70/80er gab es dann schöne, Freiheit und Liebe-versprechenden Modebewegungen, die einem Antworten meinten zu geben, letztlich aber auch nicht dafür gesorgt haben, daß das Bewußtsein eines Volkes wuchs. Da war letztlich keine wirkliche Wirkung, sondern es war nur ein Zeitgeisttrend.).


Was sich jetzt zeigt ist im Vergleich dazu ein Negativtrend, sicher, aber geht es überhaupt um diese Trends, wohin sich ein Kollektiv bewegt? Was ist überhaupt ein Trend? Ich habe nachgeschlagen: Aus dem Englischen to trend ‚in einer bestimmten Richtung verlaufen‘ bzw. ‚drehen‘ oder ‚wenden‘. Das Drehen ist hier die wichtigste Beschreibung, denn was sich dreht, kommt wie bei einem Rad immer wieder genau da an, wo es vorher schon war, nochmal und nochmal und nochmal. Da gibt es keine Entwicklung. Und genau wie das Rad ein mechanischer, unbewußter Vorgang ist, genauso bewegt sich auch eine Masse, z. B. eben die Masse der Deutschen unbewußt in solchen Trends, und wiederholt so auch nicht zufällig immer die gleichen Tendenzen z. B. Richtung Freiheitsfeindlichkeit, Duckmäusertum, bis hin zu Faschismus, hin und wieder abgewechselt von weniger strammen Regimes, die vielleicht in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts in der BRD oder zu Bismarck's Zeiten vergleichweise toleranter waren. Im Grunde aber alles völlig unerheblich, denn für ein selber ist wichtig, die eigene Position außerhalb dieses Rads zu realiseren, zu sehen, daß da auf Dauer nicht wirklich etwas zu holen ist, sich da nicht einspannen zu lassen, natürlich nicht zu ignorieren oder zu verdrängen, was da passiert, das aber auch nicht für absolut und einzig relevant zu halten, wie es z. B. ja auch viele alternative Medienleute im Web tun, die sich völlig verloren haben in der Gegenpropaganda gegen eben diesen momentanen, zerstörerischen Teil des Zyklus in dem wir uns befinden. Es ist jedenfalls ganz sicher nicht der Sinn der Sache, sich da aufzureiben.


Der Sinn der Sache ist jetzt, immer und überall: daß du auf dich selber zurückgeworfen wirst. Zu sehen, daß andere tatsächlich dumm, unaufgeklärt, oberflächlich, falsch oder verloren sind hilft dahingehend sehr, diese Leute und ihr Schicksal sich selber zu überlassen. Diese Leute kann und muß ich nicht erreichen, mit ihnen keine gemeinsame Sache machen. Solange sie mich nicht körperlich oder wirtschaftlich bedrohen, und ich gezwungen werde, mich zu wehren, kann ich froh sein, daß sie mich in Ruhe lassen mit ihrer Verwirrung. Und diese Gegebenheit ist zum großen Teil ja noch gegeben, denn mich zwingt ja niemand in die Nähe solcher Massenaufmärsche von Antifa&Co. zu gehen, ja noch nicht mal zum Militär, im Gegensatz zu vielen Generationen vor mir. So gesehen ist da diese Maskenpflicht geradezu Pipifax, nicht wirklich der Rede wert. Sich an der jetzt aufzureiben, hilft einem selber nichts, wie sonst Empörung über das, was hier passiert. Was getan werden muß, muß eben getan werden: Es macht mich aber deswegen nicht automatisch unfrei. Unfrei bin ich, wenn ich zwanghaft rebelliere, selbst wenn es keinen konstruktiven Nutzen hat. Dann mache ich mich zum Vollidioten. Und freier werde ich dadurch gleich dreimal nicht.


Jeder ist schon frei: Ob mit oder ohne Maskenpflicht, ob unter diesem Staat oder mit einer, den Bürgern eher wohlgesonnen Führung: In allen Fällen gilt es, wie schon gesagt, immer, überall, zu allen Zeiten, das eigene Leben, den eigenen Wirkungsbereich so klar, integer und geordnet wie möglich zu leben. Diese Verantwortung kann einem niemand nehmen, und kein noch so intaktes Kollektiv jemals geben.


König Dschuang von Tschu fragte den Dschan Ho und sprach: »Was muß man tun, um den Staat in Ordnung zu bringen?« Dschan Ho erwiderte und sprach: »Ich verstehe nur, das eigne Selbst in Ordnung zu bringen; einen Staat in Ordnung zu bringen, verstehe ich nicht.« Herzog Dschuang von Tschu sprach: »Wir haben die Tempel unserer Ahnen überkommen und das Recht, dem Himmel zu opfern. Wir möchten lernen, wodurch Wir diese Stellung wahren können.« Dschan Ho sprach: »Ich habe noch nie gehört, daß, wenn das eigne Selbst in Ordnung ist, der Staat in Verwirrung käme, und habe auch noch nie gehört, daß, wenn das eigne Selbst in Verwirrung ist, der Staat sich ordnen ließe. Die Ursache der Ordnung liegt also im eignen Selbst, und deshalb wage ich nicht, über ihre Wirkungen etwas zu sagen.« Der König von Tschu sprach: »Gut!«

- Liä Dsi: Das wahre Buch vom quellenden Urgrund, Buch VIII - Zusammentreffen der Verhältnisse, 16

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