Jeder ist relevant

Ich mache oft den Fehler, zu meinen, daß das, was ich hier leiste, eigentlich ja nichts Besonderes ist, nur ein Nischenpublikum bedient, und im Vergleich zu anderen Angeboten im Web ja total unwichtig ist, und deswegen auch keine große Bedeutung hat. Ich bin nur einer von vielen tausend anderen da draußen, dabei auch ziemlich unbekannt und irrelevant, weil es sowieso kaum jemanden juckt, was ich von mir gebe.


Was ich nicht merke: Ich nehme einen gesellschaftlichen Standpunkt ein, betrachte und bewerte mich von außen. Als Deutscher ist das, wie mir jetzt auffällt, eine ziemlich heftige und dominierende Abwertungs-Hypnose: Ich bin nur der kleine X, mit meinem kleinen Job, meinem kleinen Häuschen, meinem kleinen Gärtchen, meinen kleinen Freundchen, meinen kleinen Hobbies, meiner kleinen Webseite, während da draußen irgendwo die wichtigen, großen Figuren, Promis, Musiker, Sportler oder Politiker die wichtigen Positionen besetzen, die wirklich essentiellen Dinge angehen und entscheiden.


Dieser Kult um scheinbar wichtige Personen hat sicher auch seine Wurzel im Christentum, in der Huldigung von Gott und Jesus, und damit einhergehenden, automatischen Abwertung des seinen Alltag verrichtenden "Normalbürgers", für den man sich hält. Im Vergleich zu diesen Übermenschen nämlich: Wer bin ich da schon, in dieser Hierarchie?


Zum Glück kann ich jetzt sehen, wie falsch das alles ist, und wie jämmerlich man sich damit verkümmert und degradiert. Ich bin ja nicht wichtig. Ich will nun kein Egoist sein. Ich muß mich nicht aufspielen. Ich bin ja schon zufrieden in meiner kleinen Welt. Wen interessiert schon, was ich zu sagen habe?


Klar, ich mache durchaus die Erfahrung, daß es wenige interessiert, was ich zu sagen habe, aber das ist hier gar nicht der Punkt. Wen es interessiert, der wird aufnehmen, und wen nicht, der braucht es eben nicht. Ich mache die Erfahrung, daß es mir reicht, wenn ich weiß, daß wenigstens einer mitbekommt, was ich von mir gebe, denn damit habe ich einen Anlaß zur Kommunikation, und damit auch einen Anreiz den bestmöglichen Wert zu liefern. Ob es dann einer, fünfzig oder eine Million lesen, damit habe ich gar nichts mehr zu schaffen. Es macht für mich als Urheber ohnehin keinen Unterschied.


Hier an dem Punkt erfahre ich mich als entscheidend. Nicht die Reaktion. Das ist besonders dann, wenn das, was ich schaffe, in sich vollständig ist, das bedeutet, einen Sachverhalt abdeckt und als Ganzes präsentiert. In dem Moment sind sogar Kommentare oder Rückmeldungen für mich nicht notwendig (was nicht heißen soll, daß ich dafür nicht auch offen bin).


Unter dem Aspekt ist zu verstehen, daß ich hier die Instanz bin. Nicht als arrogante, sich-aufspielende Pose (wie ja auch viele Männer gerne tun, weil sie sich instinktiv gegen dieses falsche Weltbild der Unbedeutsamkeit auflehnen, durch Erfolg, Ruhm oder Berühmtheit gerne wieder in diese Kraft kommen wollen), sondern als Vermittler von Verständnis und Anbieter von Antworten auf Fragen, die jeden betreffen, denn ich weiß, daß vieles, was mich beschäftigt, sehr oft auch andere bedrückt und bekümmert, da wir ja alle mit dieser Art deutschen Erziehung "beglückt" wurden. (Instanz kommt ja auch aus dem Englischen "for instance", also ein Beispiel sein, etwas vormachen, was andere für sich ebenso erschließen können).


In Wahrheit ist potentiell jeder Mensch souverän, frei und stark. Einfach als natürliches Wesen. Da ist niemand stärker oder mächtiger. Die momentanen Verrücktheiten sind nur deshalb zu erklären, weil diese Menschen eben das schon lange vergessen haben, und sich anderen Interessen, dem sogenannten "Gemeinwohl" anheimstellen, womit aber weit mehr Schaden als Nutzen angerichtet wird, weil dieses Gemeinwohl sich meist doch einen Dreck darum schert, wie es dem Einzelnen geht. Oder wen interessieren die ganzen Kollateralschäden wie z. B. die gescheiterten Kleinunternehmen während dieser "Maßnahmen"? Klar, ein paar Krumen gibt es als Trost vielleicht vom Staat, aber wenn jemand einen Betrieb zeitlebens mit harter Arbeit aufgebaut hat, das alles aber nun innerhalb dieser paar Monate verliert, dann ist das ganze Gefasel von Gemeinschaftlichkeit einfach nur ein schlechter Witz. Zehntausende Existenzen werden zerstört, nur damit angeblich ein paar hundert Menschen weniger infiziert werden? Hier passiert was ganz anderes, ganz und gar nicht Menschenfreundliches.


Es geht um jeden Einzelnen. Jeder Einzelne ist wichtig. Jeder Einzelne hat auch was zu sagen. Und zwar nicht nur über das Wetter, oder über den Job, sondern über Prioritäten in ihm selber. Da ist niemand über oder unter jemandem. Das Einzige was Menschen sicher unterscheidet, ist, inwieweit jemand verstanden hat, wie sehr das die eigentliche Wurzel der Probleme ist, die Menschen haben. Wenn sich nämlich Menschen selber entmündigen, dann ist doch klar, daß sie z. B. Konsequenzen in Form eines totalitären Staates bekommen. Und da reicht es eben in einem Volk auch nicht, wenn nur 1% da zu ihrer Menschlichkeit aufstehen. Die meisten glauben eben mit, und das ist dann das Problem, gar nicht so sehr der Diktator, der dann scheinbar alles entgegen jeder Ratio bestimmt.


Letzte Nacht erschien mir im Traum sogar die "Frau in Berlin", was mich verblüfft hat. Sie schien mich für einen Erfolg im Sport beglückwünschen zu wollen, woraufhin ich mich nach anfänglichem Zuhören abwendete. Ja, aber die ist doch so wichtig und bedeutsam, rieten mir dann andere Leute in der Szene, was mich jedoch nicht überzeugte. Es ist schon lustig. Was macht den diese "Dame" so wichtig? Hat sie irgendwelche wertvollen Kompetenzen, die sie auszeichnen? Kann sie Menschen von Schmerzen befreien? Beherrscht sie ein Instrument? Hat sie beruflich irgendwelche besonderen Qualifikationen, die sie unentbehrlich für diese Gesellschaft machen? Offenkundig ja nichts davon. Ansonsten könnte man von diesem Menschen ja was lernen. Da ist nichts, nur gähnende Leere. Stattdessen: Wendet euch lieber euch selber zu (oder Quellen der Inspiration, die euch wirklich etwas geben).





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