Lamentieren oder Handeln?

Letztens im Supermarkt hieß es von einem, daß die Menschen doch alle total verrückt wären, weil es kein Toilettenpapier mehr gibt, sich von den Medien so haben aufstacheln lassen, so leicht zu manipulieren sind, daß sie alles wegkaufen. Die Haltung war aber natürlich ganz klar heraushörbar, nämlich nicht die von Erleichterung oder Befreiung, endlich mal hinter diesen (eigentlich offensichtlichen) Fakt über die Medien zu schauen, nein, es ist Frust und dabei auch die Abwertung derjenigen, die das wegkaufen, worauf er meint einen Anspruch zu haben. Verantwortlich ist aber natürlich nicht er, z. B. daß er verpennt hat rechtzeitig Vorsorge zu betreiben, sondern eben die Medien oder die, die intelligenter sind, und eben vor ihm agiert haben.


Ich fand es sehr wichtig, denn es ist ein erstes Zeichen für das, was uns hier allen noch bevorsteht. Vielleicht schon sehr bald. Es ist nämlich ein Irrtum zu meinen, daß Leute plötzlich anfangen werden nachzudenken, wenn z. B. an den Geldautomaten kein Geld mehr abzuheben ist, die ersten Supermärkte keine Produkte mehr anbieten und auch keine Lieferungen mehr zu erwarten sind, der Strom ausfällt etc. Dann ist nur noch Panik da, und dann sind eben die Medien, die Politiker oder eben die schuld, die eventuell schon vorgesorgt haben. Da wird erst recht keiner mehr erfahren wollen, was eigentlich wirklich vor sich geht, wieso das so passiert. Da leitet nur noch der Instinkt.


Dieser Mann im Supermarkt hat mir klargemacht, wie wichtig es nun ist, nicht nur hellsichtiger als die Masse zu sein, sondern auch die entsprechenden Konsequenzen zu ziehen. Das bedeutet vor allem: Nicht wie er zu lamentieren und zu jammern, daß er zu kurz gekommen ist, sondern eben genau das zu machen, was die meisten Leute eben nicht machen: Sich zusätzlich mit den lebensnotwendigen Dingen, haltbaren Lebensmitteln und vor allem Wasser einzudecken. Noch geht es. Noch ist es im Sortiment. Noch besteht die Chance.


Die Schnelligkeit mit der z. B. letztens Bananen, Nudeln, Reis, und wie schon erwähnt Toilettenpapier oder Desinfektionsmittel nicht mehr zu erwerben waren, sollte ein letzter Warnschuß an jeden sein, der zuhause immer noch nicht zumindest für ein paar Wochen Vorräte angelegt hat. Besonders wenn man z. B. Familie hat. Alles andere ist in so einem Fall höchst fahrlässig. Wer jedenfalls anläßlich der gerade stattfindenden Eindrücke immer noch meint, daß alles halb so wild ist, man verrückt wäre, wenn man sich vorbereitet und eindeckt, dem ist ohnehin nicht mehr zu helfen.


Oft wird Krisenvorsorge falsch verstanden: Es geht ja nicht darum, Angst zu schüren, oder sich dauernd in Problemen zu wälzen. Sei nicht so negativ und pessimistisch. Es ist nur so: Wer sich mit dem Leben auseinandersetzt sieht zwangsläufig auch die Dinge, die schief laufen. Verdrängung und Wegschauen sind doch keine Option! Oder mache ich schlichtweg die Augen zu, wenn mein Automotor raucht und ich am Straßenrand stehe? Nein, ich werde automatisch aus der Wahrnehmung der Situation die richtigen Schlußfolgerungen ziehen, und wenn es nur ein Anruf ist.


Wer die Probleme natürlich nicht sehen will, wie soll derjenige dann überhaupt erst über eine Lösung nachdenken? Er weiß doch gar nicht, wofür eine Lösung nötig wäre. Probleme sehen ist nicht nur ein Freizeitluxus, eine Beschäftigung, die man sich als Hobby (oder aus einer Art Masochismus oder Selbstquälerei) aussucht, sondern essentiell für Leben als solches. Wer Bedrohungen nicht erkennt, der wird eben zwangsläufig ihr Opfer und ist somit nicht wirklich überlebensfähig.


Für vieles gibt es oft auch keine Lösung. Gegen den demographischen Wandel kann z. B. ein Einzelner gar nichts ausrichten. Das sind gesamtgesellschaftliche Prozesse. Auch gegen die Funktionsweise des derzeitigen Geldsystems läßt sich nichts ausrichten. Was bleibt ist nur: Sich in echte Werte begeben, seine Arbeitsleistung so für sich konservieren, anstatt durch Inflation im Falschgeld langsam entwerten zu lassen, d. h. persönliche Konsequenzen zu ziehen. Auch gegen das Ausbreiten des Virus kann nichts getan werden. Nur für sich kann man schauen große Menschenansammlungen zu meiden, sich regelmäßig die Hände zu waschen usw. Man tut das für sich bestmögliche, und bleibt weiter wachsam. Für Zetern und Hadern fehlt dann einfach auch die Energie und Zeit.


Ich mußte letztens verwundert im Supermarkt die Augen reiben, wie groß und bunt das Angebot ist. Eigentlich ein Schlaraffenland. Und doch so fragil. Es gibt ja z. B. kein Lager nebenan, zumindest da, wo ich einkaufe (da sind meist nur die leeren Kartons), sondern das Lager sind nur die Verkaufspassagen selber. Alles, was leergekauft wird, kommt mit der Lieferung des nächsten Tages wieder. Immer genau, wann es gebraucht wird. Das ist eine ziemliche Abhängigkeit, die durchaus auch Sorgen machen sollte, falls man nicht schon vorgesorgt hat. Falls schon, so kann man sich entspannt zurücklehnen. Falls nicht, so sollte man sich die Frage stellen, ob das so ein beruhigender Zustand für einen ist.


Mehr sage ich nicht (und ist deswegen auch keine Beratung oder Handlungsempfehlung, auf die man mich festnageln kann, wenn jetzt doch nichts passiert). Selbst wenn jetzt noch kein Crash kommt, so ist es doch immer gut, sich unabhängig zu fühlen, nicht wegen jedem Furz einkaufen zu müssen, die Unabhängigkeit zu haben, notfalls schon alles da zu haben, was man braucht. In jedem Fall profitiert man.













© 2020 Christian Nikitin, Freising, Deutschland, chrnikitin[at]protonmail.com, Impressum

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