Meine Eindrücke zur Demo in München, 12.9.2020



Es war zunächst eine sehr schöne Atmosphäre beim Zug, bei dem ich eher am hinteren Ende teilnahm, der aber nach etwa einen Kilometer nicht mehr weitergehen konnte. Dort traf ich sogar jemanden, der mich aus dem Internet kannte, was ich ihm erstmal nicht glauben konnte, dann aber völlig verblüfft feststellen mußte, daß er mich tatsächlich kannte. Ich fuhr daraufhin mit der U-Bahn vom Königsplatz zur Theresienwiese, wo schon eine große Zahl an Leuten stand.


Ich bin eher weiter nach außen gegangen, denn auch dort hörte man alles sehr gut, wobei es anfangs so gut wie nur um die Auflagen ging, wiederholt vorgetragen von Markus Haintz. Ich verstand zwar, daß er das mußte, trotzdem nervte es mich irgendwie. Auch die späteren Reden von Schiffmann oder Schöning brachten nicht wirklich neue Infos. Mir scheint, zu dem Thema ist langsam wirklich mal alles gesagt.


Was mir auch zunehmend negativ aufstieß war die Bereitschaft vieler Leute, die Maske wirklich aufzuziehen, wie auch die Abstandsregeln penibel einzuhalten. Eine junge Frau, in deren Nähe ich mich auf den Boden setze, weiste mich an, auf Distanz zu gehen, da die Versammlung sonst aufgelöst wird. Ich fand das alles schade, weil damit doch ja genau die Scheiße wie in der Gesellschaft abläuft, dieselbe Distanz und Isolierung vorherrschen soll, Kontakt erschwert wird. Dafür sind wir doch nicht dort! Ich bin doch gerade dort, weil ich das nicht will, etwas anderes leben will, oder?


Nachdem die Polizei in mehreren Einheiten anfing durch die Menge zu gehen, und die Personalien von Leuten ohne Maske aufzunehmen wurde mir sehr mulmig. Auch sah ich, wie ein Mann von einem Trupp abgeführt wurde. Ich machte mich aus dem Staub, ging langsam weg, um nicht auch noch von der Polizei befragt zu werden. Irgendwann, bei einer Rede eines Pastors, habe ich dann endgültig den Veranstaltungsort verlassen.


Es war ein zwiespältiges Gefühl, denn einerseits gab das menschliche Ambiente im Großen und Ganzen sehr viel Herzensnahrung, andererseits verstehe ich immer weniger die Kompromißbereitschaft mit diesem Lügenstaat, der, wie ich finde, durch diese Hygieneregeln für die Veranstaltung tatsächlich auch das zersetzt, wozu diese Demos ja eigentlich da sind. Wenn wir all den Unsinn machen, den Mami und Papi von uns wollen, selbst wenn wir eindeutig wissen, daß es Mist ist, dann können wir gleich zuhause bleiben, ist so mein Gefühl. Im Alltag, klar, da wäre es dumm einfach zu provozieren, die Maske nicht aufzuziehen, weil es da keinen Sinn macht, nur unnötig böses Blut produziert, aber dort, auf der Demo, hätte es durchaus Sinn mit dem Regime nicht zu verhandeln, und den Maulkorb zu verbrennen, wie es z. B. in Argentinien passiert, weil nur so klar signalisiert wird, was man möchte. Mit der Maske stirbt nämlich innerlich dieser wichtige lebendige Teil in einem ab, der wenigstens dort, wenigstens in diesem Moment zeigen möchte: Es reicht. Hier zeige ich es. Wenn nicht hier, dann nirgendwo.


Später im Zug unterhielt ich mich noch mit zwei jungen Männern, die meinten, daß es wichtig wäre, all diese Kompromisse einzugehen, weil die Bewegung damit glaubwürdig für die Massengesellschaft und Medien wirkt, man damit eher Zuläufe generieren könnte. Ich halte dieses ganze Denken für völlig falsch, weil es eine falsche Perspektive darstellt: Diese Leute meinen, daß weil im außen etwas so oder so ist, etwas in Menschen ausgelöst wird. Tatsache ist jedoch: Hat ein Mensch eine Wahrheit herausgefunden, so ist der Impuls etwas zu tun schon gegeben, ganz egal, ob etwas genehmigt ist, oder nicht. Ich muß dann nicht erst etwas in eine schöne Verpackung geben, denn es geht um den Inhalt, um die Substanz und nicht die Wirkung von etwas. Und die ist einem Sucher nach der Wahrheit ja klar, der läßt sich auch nicht von falscher Berichterstattung oder Verboten abhalten. Ganz im Gegenteil würden die so einen Menschen ja erst motivieren.


Allgemein ist dieses Wie-kann-die-Masse-erreicht-werden und Wie-wirken-wir-auf-die-Masse völlig irrelevant, wenn es nicht völlig ablenkt. Man sieht doch: Man kann alles richtig machen, alles einhalten, und trotzdem berichten die Medien verlogen und die Politschranzen fahren ihren Kurs weiter. Da kann man machen was man will. Das Problem ist vor allem: Wieso will ich, daß mich Lügner verstehen? Was habe ich davon?


Klar, ich will ein Triumpgefühl haben: So, hier, wir haben recht, und ihr nicht; wir können die Abstände einhalten, das machen, was ihr von uns wollt. Schaut her, wie gut wir sind, wir können all das, was ihr von uns wollt, jedes Kunststückchen, jede Forderung können wir einhalten. Ist das nicht großartig? Ich sehe aber nicht, was mit diesen Egomotiven erreicht werden soll. Klar, man kann sich selber einreden, wie weise man ist, weil man ja zeigt, wie viele Schläge man einstecken kann ohne einzuknicken, aber das Einzige, was passiert, ist nur, daß man all das verliert, was eigentlich gut und wertvoll ist. Und das ist nun mal das Menschliche, was durch Maske und Abstand kaputtgeht, und in dieser Bewegung mit dem Anliegen der Abschaffung genau dieser Dinge, eigentlich genau nicht akzeptiert werden darf. Der Psychoterror darf dort nicht auch noch stattfinden, wenn schon die ganze Gesellschaft davon vergiftet ist. Vermummte Gesichter, isolierte Menschen. Und selbst wenn dadurch Konsequenzen durch Auflösung oder Polizeieinsätze folgen: Nur das würde endlich und deutlich zeigen, woran wir sind: Daß dieser Staat am Ende ist. Alles andere erscheint mir wie Kollaborieren mit der Lüge.


© 2020 Christian Nikitin, Freising, Deutschland, chrnikitin[at]protonmail.com, Impressum