Reich sein 2

Das Eigentliche hinter dem Reich-sein, ist aber Folgendes: Es ist nicht das Geld auf dem Konto, was reich macht, das hohe Einkommen, die Besitztümer, die man sich anhäuft, oder Ruhm, Ehre, Prestige, ein Sich-aufhalten in luxuriösen Kreisen, die Freiheit, das zu tun, was man will, sondern es ist schlichtweg das Wertgefühl in einem selber. Es ist nicht mal eine Einstellung, Haltung oder ein Mindset, sondern das Sich-erlauben, den eigenen Vorteil zu suchen, und sich von keiner Moral, keinen falschen Verpflichtungen künstlich einschränken zu lassen.

Was ich nämlich bei mir beobachte ist eine starke Moralisierung des Interesses daran mehr Geld zu verdienen, sich Wohlstand zu erarbeiten, weil das ja ein guter Mensch nicht macht. Ein guter Mensch ist bescheiden, braucht nicht viel, und Geld verdienen, das wollen doch nur egoistische Kapitalisten, die sich einen Dreck für ihre Umgebung interessieren, und nur auf ihren Nutzen aus sind. Diese Denke kenne ich lange von mir, und ich treffe sie immer wieder an, nicht zuletzt eben auch als weiterhin vorhandene Blockade in mir selber.

Das Verfolgen des eigenen Interesses ist völlig natürlich, und richtig verfolgt sicher nicht schädlich für Umwelt oder Mitmenschen, wie es normal immer behauptet wird. Nein, die bösen Unternehmer wollen nicht die Umwelt zerstören, weil sie davon gar nichts hätten: Würden Holzverkäufer wirklich den ganzen Regenwald abholzen, sie müßten ziemlich dumm sein, weil sie damit ihre eigene wirtschaftliche Grundlage kaputtmachen. Auch sie hätten ein Interesse daran, daß weiter Wald nachwächst, genauso wie hier Forstwirte auf nachhaltigen Wuchs und Ausgleichsflächen schauen, weil es auch aus wirtschaftlicher Sicht vorteilhaft ist. Oder: Ein Immobilieninvestor, der durch Mieter Geldfluß für sich generieren will, ist kein egoistischer, schlechter Mensch, weil er Kohle machen will, sondern er schafft dadurch anderen Menschen ein Wohnungsangebot, das sonst nicht da wäre. Deswegen ist z. B. auch sowas wie die Mietpreisbremse ein vollkommen irrer Wahnsinn, weil damit das Wohnungangebot sogar noch verknappt wird, weil weniger Investoren einsteigen, weil sie nichts verdienen können.

Es ist ganz logisch, daß das direkte Eigeninteresse, nicht nur das Natürlichste auf der Welt ist, sondern diese sogar befruchtet und ihr hilft. Es gibt keinen Unterschied zwischen individuellem Wille und einem konträr dazu stehenden kollektiven Wille, dem sich der Einzelne unterzuordnen hat, sondern der Wille des Einzelnen ist die Grundlage, ohne daß es ein gedeihendes Gemeinwesen gar nicht geben würde.

Man muß sich wirklich klarmachen, wie hermetisch abgeriegelt diese Lügenwelt bereits ist, in der man sich hier befindet. Es sind lauter Menschen um einen herum, die einem das Selbstverständlichste als böse abqualifizieren, und am schlimmsten ist: Der eigene Verstand ist randvoll von diesem Zeug: Bloß nicht auf eigene Beine kommen, bloß nicht versuchen, selber reich zu werden, bloß nicht auffallen, bloß nicht mehr wollen. Am allerallerschlimmsten: Das ist doch nicht spirituell. Wahre Werte sind doch geistig, nicht materiell. Gruseliger als jeder Horrorfilm.

Materie ist nichts Minderwertiges. Versteckt ist also doch noch das Christentum sehr präsent in Form von Abwertung der Materie, des Fleischlichen, zugunsten der immateriellen, "wahren" Werte, die im Bereich des Heiligen Geistes zu finden sind. Im Gegensatz dazu habe ich folgendes gefunden:

Wahrer Reichtum: "Gold ist das Geld Gottes."

Es hat schon was Spirituelles - wenn man das Wort mal nehmen will: Gold ist immer schon da gewesen und wird immer da sein, immergleich, unverwechselbar, mit fest definierbarer Dichte und Gewicht, klarer Farbe, chemischer Struktur (Ordnungszahl 79 im Periodensystem) usw. usf. Es ist unmanipulierbar und ja, verleiht deswegen auch Kraft. Also ich fühle mich schlagartig aufgerichtet, wenn ich mein Gold in den Fingern halte. Es verleiht durchaus etwas Königliches, Göttliches.

Natürlich soll es nicht heißen, ich würde mir nun anmaßen wie Gott zu sein. Es geht mir hier um was anderes: Es geht um die Entdeckung der eigenen Würde. Es ist nicht die Bestimmung - von keinem! - ein unbedeutender kleiner Hans-Wurst im Rattenrennen bis zu seinem Tod zu sein. Das hat niemand verdient. Jeder hat von Geburt an die natürliche Aufgabe zu seinem wahren Potential aufzustehen, bewußt und frei dieses Leben zu leben, und sich von keinen übernommenen Glaubenssätzen davon ab- und kleinhalten zu lassen. Und zum Potential zählt eindeutig auch das Anstreben von Wohlstand, von finanziellem Spielraum. Dazu habe ich, dazu hast du jedes volle Recht und man muß sich genau die Leute anschauen, die einem das schlechtreden wollen. Schaut sie euch an! Arme, neidische Schein-Existenzen, nicht weil sie das von Natur aus sind, sondern weil sie sich dazu machen. Die brauchen nicht weiter beachtet zu werden, weil sie mit ihrer Schein-Welt untergehen.

Wichtig ist für mich also: Mehr meiner Kräfte mobilisieren, genauer schauen, was ich überhaupt will, und wo ich mir selber die Butter vom Brot nehme, indem ich mich arm mache. Ja, das mache ich mit mir selber. Keine anderen sind dafür verantwortlich, weder der Staat, noch das System, noch Chefs, Kollegen oder andere Menschen in meinem Umfeld. Die könnten mich gar nicht abhalten, wenn ich es nicht selber tue.

© 2020 Christian Nikitin, Freising, Deutschland, chrnikitin[at]protonmail.com, Impressum