Umorientierungen

Zu meiner Überraschung heute in der Freisinger Altstadt mit dem Fahrrad an einer Demo vorbeigefahren, "für Klimagerechtigkeit". Ich bin manchmal einfach nur verblüfft, in welchen Traumwelten viele meiner Mitmenschen schweben. Dafür engagieren sie sich, das ist ihnen wichtig.


Mir fällt oft auf, daß die meisten Leute Fakten gar nicht interessieren. Daß z. B. diese ganze Klimageschichte ein Riesenhoax ähnlich dem Coronawahn ist, ohne jede wissenschaftliche Grundlage. Und doch wird das einfach geglaubt, was mir immer unverständlicher wird. Wie die kleinen Kindern hören sie...


Natürlich: Papa Staat, die Obrigkeit, die Medien mit all ihren Experten, Profis und Wichtigtuern wissen schon wo es langgeht, geben Sicherheit. Geborgen kann man sich fallenlassen, wird von dem Gemeinwesen aufgefangen, das ja nur an Mitmenschlichkeit und Nächstenliebe interessiert ist. Ähnlich wie Truman Burbank in der Truman-Show eine Scheinwelt mit Scheinaspekten und -problemen vorgegauckelt wird, so wird all unseren lieben Mitmenschen eine Lügendosis nach der anderen verabreicht, die sie lebenslang an dieses Konstrukt bindet.


Wenn jedoch jemand aus dieser eindimensionen Wirklichkeitsbeschreibung ausbricht, kann derjenige gar nicht aufgehalten werden.


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Nachdem ich nun im Gartenbau-Wiki das Thema Japanischer Garten angeschnitten habe und mehr und mehr in die Sache eingestiegen bin, fällt mir auf, daß ich nicht einfach nur belangloser Betongärtner, Plattenleger oder Terrasseneinbauer, sondern in Wahrheit Zen-Gärtner bin. Die Bilder der anrührenden, modellierten Landschaften, die voller Aufmerksamkeit und Zartheit in Form gebracht wurden, lassen diese Sensitivität auch in mir wieder wachrufen.


Dieser Kontrast ist jetzt vor allem deshalb sehr präsent in mir, weil ich die Woche viel auf einer Großbaustelle bei einer neugebauten Schule war, wo die anwesenden Handwerker ziemlich abgestumpft und frustig gewirkt haben, manche bereits so hohl und entleert wirkten, daß sie nichtmal mehr einen Gehörschutz beim Arbeiten mit dem Winkelschleifer angezogen haben. Die Sinne sind eben schon so abgestumpft, da ist gar kein Bedarf mehr da, diese zu schützen. Da dringt eben auch nichts mehr durch, nichtmal mehr der unerträglich krächzende Lärm der Metallscheibe mit Diamantkopf, die sich durch den Stein frißt.


Japanische Gärten, und dabei vor allem die Zen-Varianten, brauchen aber genau diese Feinheit in der Wahrnehmung, sind da einfach viel zu subtil und unaufdringlich, benötigen ein Sich-einstimmen und Sich-einlassen, um die Absicht dahinter aufnehmen zu können. Da ist jedes Steinchen, jedes Moosfleckchen, jede Linie im Splitt eine Botschaft, die aufgegriffen werden will. Die kann aber jeder nur in Ruhe und nur für sich selber ergründen.


© 2020 Christian Nikitin, Freising, Deutschland, chrnikitin[at]protonmail.com, Impressum