Helfersyndrom

Es war ein Fehler den Fokus zu sehr auf den jungen Videomacher aus Österreich zu legen. Alleine die Länge des Kommentars war aberwitzig...


Sachlich mag alles gut und richtig gewesen sein, und es ist sicher nicht falsch Verständnis einzubringen, nur habe ich in dem Fall gemerkt, daß es da Fehl am Platz war, ganz einfach, weil es den jungen Mann umso mehr verunsichert, wenn da andere es so wichtig finden, ihm da irgendwelche "Tips" geben zu müssen, für etwas, was er wahrscheinlich gar nicht als ansprechenswert empfindet.


Das sind Dinge, die ich wohl noch lernen muß: Wo hat es Sinn, wo habe ich den Raum mich auszudrücken, und wo ist es vielleicht besser, wenn ich mich kürzer fasse. Das heißt nicht, daß ich immer schweigen muß, nur, daß ich mir auch mehr über meine Motive klarwerden muß und intelligenter agiere.


Anderen zu helfen ist ein scheiß Motiv. Damit bin ich wie ein Belehrer, oder noch schlimmer, ein Gutmensch, der die anderen, die ich als arm dran klassifiziere, von oben herab mit meiner Güte und Nächstenliebe zu bereichern habe, um mich selber als Wohltäter und Menschenfreund darzustellen. Es ist widerlich.


Anders ist es, wenn andere zu mir kommen, und um Rat fragen, oder mir in einem ohnenhin schon stattfindenden Gespräch mit jemandem etwas auffällt. Gehe ich auf andere zu, so muß ich mich vorher fragen, was ich in dieser Interaktion überhaupt für mich will? Einfach zeigen, wie viel ich schon weiß? Wenn ich einen Irrtum sehe, so ist das Ansprechen dessen sicher auch nicht falsch, nur ist das sogar schon mit einem einfachen Stop getan, braucht kein Riesenpamphlet.





© 2020 Christian Nikitin, Freising, Deutschland, chrnikitin[at]protonmail.com, Impressum