Wo steht einer? | Was ist wertvoll?

Unter anderem anhand eines Gesprächs mit einer Bekannten heute fiel mir deutlich auf: Jeder Mensch steht an einem völlig anderen Punkt. Regelrechte Klüfte trennen da Einzelne. Wichtig zu verstehen ist dabei aber vor allem: Menschen stehen nicht auf gleichberechtigten Stufen nebeneinander, sondern es gibt Menschen, die haben Dinge in ihren Fundamenten verstanden und damit die Kompetenz in einem Thema - oft durch jahrelange, langwierige Recherchen, begleitet von einem inneren Prozeß voller Durststrecken, sozialer Isolation und Sinnkrisen - nicht nur erworben wie ein Konsumprodukt, sondern von innen her durchdrungen. Menschen, die diesen Weg nicht gegangen sind, verstehen deshalb auch unmöglich jemanden, der ihn gegangen ist. Wie Don Juan es bereits in den Castaneda-Büchern beschrieben hat, gibt es nur die Richtung zum Verständnis hin. Er verwendete hierfür ein Bild: Der, der nicht versteht, muß eine Brücke zu dem bauen, der es hat. Wer jedoch einmal angefangen hat, den alten Boden zu verlassen, für den gibt es auch kein Zurück mehr (ähnliche Analogie: Die Matrix-Filme).


Wieso ist beides nicht gleichberechtigt? Weil ich die Frucht bereits essen kann, während der Same des Baumes nur in der Anlage die Frucht enthält, die später irgendwann wachsen könnte. Potentiell könnte eine Frucht entstehen, ja, aber sie ist es nicht. Oder ist ein Arzt, der Menschen bereits operieren und von Krankheiten heilen kann, mit jemandem gleichzustellen, der keine vergleichbare Ausbildung hinter sich gebracht hat? Diese Unterscheidung ist auch nicht unmoralisch oder arrogant, sondern Wissen und Kompetenz (um wertvolle Dinge sei angemerkt*) trennt die Menschen nun mal in zwei Gruppen. Deswegen blickt aber der, der etwas kann oder verstanden hat, noch lange nicht überheblich auf den Nicht-könnenden oder -verstehenden, sondern ist durch den langen - wie schon gesagt oft entbehrungsreichen - Energieaufwand viel eher geläutert.


Je mehr jemand nämlich anfängt zu verstehen, desto mehr fängt er an zu sehen, wie viel er eigentlich noch überhaupt nicht weiß. Die Dominosteine fallen nur nach und nach, und es mag sogar oft ein ganzes Leben nicht ausreichen, um wirkliche jede Täuschung und Vorstellung zu durchdringen. Aber darum geht es in allererster Linie noch gar nicht. Wichtig ist nur: Welche Richtung verfolgt einer? Nur mit diesem Impuls kann es überhaupt für diesen Menschen vorangehen.


Der Unterschied zwischen Sozialismus und freier Marktwirtschaft, genau wie Aufklärung über Zusammenhänge in Politik, Geldsystem, Medien, Gesellschaft und Kultur in jedweder Hinsicht ist hierbei ein exemplarisches Beispiel wie tief der Kaninchenbau geht, wenn man nur anfängt einzusteigen. Auch ich muß mich schuldig bekennen, wenn ich sagen muß, daß ich noch vor sieben, acht Jahren keinen blassen Schimmer hatte, was da auf mich zukommt, so gläubig und systemtreu war ich. Ich habe in der Schule Referate mit den Systemmedien als Quellenangabe gehalten, Nachrichten im Fernsehen gesehen, an den menschengemachten Klimawandel geglaubt und bei den Wahlen CSU angekreuzt. Ich war völlig weggetreten.


Ziemlich sicher werde ich aber - was andere Themen angeht - das in sieben, acht Jahren genauso über mich jetzt sagen. Denn ich weiß, daß ich mir noch immer gewaltig etwas vormache, wenn ich ein paar schlechte Gewohnheiten von mir anschaue.


Ein Kompaß, den jeder benutzen kann, ist: Was steht im Moment an? Was ist wichtig? Was würde ich aktuell gerne für mich ergründen? Was interessiert mich? Und da gibt es sehr wichtige Themen, wovon eben Wirtschaft nur eines ist. Wichtig ist dieses Thema z. B. vor allem deswegen, weil die Lügen, die in dieser Gesellschaft darüber grassieren, einen immensen Schaden anrichten, der mit dem Wort "immens" fast schon unverschämt und untertrieben harmlos beschrieben ist. Leistende werden nämlich schon seit Jahren um den verdienten Lohn ihr Arbeit gebracht, durch einen bereits jetzt schon fatal aufgeblasenen Steuerstaat, der sich anmaßt entscheiden zu können, wie dieses Geld verteilt werden darf, und vor allem durch ein aufgezwungenes Zettelgeld, das diejenigen beraubt, die ihre Ersparnisse damit anhäufen, weil zeitgleich woanders Millionen weitere Werteinheiten in den Markt gepumpt werden.


Kompetenz und damit einhergehend dann auch Aufklärung darüber ist also essentiell, da so eine Kultur auf Dauer nicht überlebensfähig ist, völlig zugrunde geht und am Ende nur Leid und Chaos übrig bleiben wird. Auch ist zu verstehen, daß der Staat selber der größte Feind des Menschen ist, weil er den Menschen zu Dingen zwingen kann, die er vielleicht gar nicht will (dazu zählen die momentanen Maßnahmen bis hin zu Enteignungen, Vorschriften und Kriegen). Natürlich wäre auch Auswandern möglich, um diesen Pflichten zu entgehen, doch Auswandern kann man auch nur in andere Staaten, die mehr oder weniger ähnlich restriktiv mit ihren Bürgern umgehen. Deswegen sind z. B. Unternehmen, so groß und marktdominierend sie auch sein mögen, nie so gefährlich wie Staaten, weil sie niemanden zu ihren Diensten und Produkten zwingen können. Nur Hand in Hand mit dem Staat ist so etwas möglich.


Ich könnte noch viel und lange darüber schreiben, aber im Web ist für den Suchenden bereits en masse an Information zu finden, um sich selber aus der Unmündigkeit zu befreien.


Mein Anliegen war aufzuzeigen, was denjenigen erwartet, der in Richtung Selbstaufklärung und -bildung geht, und auch zu zeigen, daß sich das trotz aller Schwierigkeiten, die dabei auftreten können, immer lohnt. Auf der anderen Seite wartet nämlich nicht Einsamkeit, Verzweiflung und Entsagung, sondern es entsteht eine viel tiefere Art von Genugtuung und Freude. Man beschenkt nicht nur sich selbst, sondern indirekt auch wieder seine Umwelt, durch die gewonnenen Qualitäten und Einsichten.


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Anhang:


*Ich dachte erst, es muß nicht erklärt werden, denn es scheint doch offensichtlich, aber es ist trotzdem interessant sich diese Frage zu stellen: Was ist wertvoll?


Wertvoll ist oft etwas Seltenes, etwas, was man so nicht oft antrifft, vielleicht nur einmal im Leben. Auch im Markt drückt ein höherer Preis Wert aus. Wertvollere Berufe haben auch eine höhere Entlohnung verdient. Und wertvoll sind sie deshalb, weil sie dem Menschen einen hohen Dienst erweisen. Ärzte verdienen gut, weil sie die Gesundheit eines Menschen wiederherstellen können, und das ist den Menschen nun mal nicht ohne Grund sehr wichtig. Natürlich gibt es auch viele Berufsgruppen, die viel verdienen, auch wenn sie es scheinbar gar nicht verdient haben, aber das wäre wieder eine andere Frage. (Wir haben hier eben auch keinen normalen Markt, sondern durch immensen, staatlichen und sozialistischen Einfluß eine verzerrte Situation und damit auch verzerrte Gehälter z. B. bei Angestellten im Staatsapparat, in der Bürokratie, in den Ämtern, wo nichts produktiv entsteht und geleistet wird. Da erhält dann etwas einen Wert zugesprochen, was eigentlich kaum bis gar keinen Wert hat, wenn nicht schadet und Werte kaputt macht.)


Was wertvoll oder nicht ist, spürt jedoch jeder Mensch auch instinktiv. Wer etwas Schönes baut, entwirft, komponiert oder konstruiert, der wird auch entsprechende Resonanz bekommen. Und selbst wenn es nicht die Leute des Zeitgeistes um ihn herum sind, so werden vielleicht ein paar Generationen später andere den Wert sehen und zu schätzen wissen (gilt dann als Klassiker).

© 2020 Christian Nikitin, Freising, Deutschland, chrnikitin[at]protonmail.com, Impressum