Fußballkopf

09/12/2018

Ich erwische mich manchmal, wie ich Videos in den YouTube-Trends durchklicke und z. B. kurze Zusammenfassungen von Fußballspielen anschaue. Da habe ich manchmal einfach Lust dazu, war es ja etwas, was ich lange Zeit mit Begeisterung verfolgt habe. Als Junge habe ich viele Zeitschriften dazu von meinem Taschengeld gekauft, habe selber Spielzusammenfassungen und Tabellen aufnotiert, Seiten über Seiten, mir natürlich Spiele bestimmter Mannschaften im Fernsehen angeschaut usw. usf.

 

Wenn ich heute da kurz mal reinschaue, dann hat es nicht mehr diesen Reiz. Irgendwann kennt man, was dort passiert, und das war es dann auch. Trotzdem ist da noch ein wenig die Gewohnheit, in einer freien Minute das nebenbei mal zu verfolgen, z. B. die Bundesliga-Tabelle. 

 

Bei M. ist mir dann aber aufgefallen, was die meisten eigentlich an dem Verfolgen dieses Themas so fasziniert. Es hat nämlich gar nichts mit ihnen selber zu tun. Als Fan oder Mitglied eines bestimmten Clubs bist du Teil einer Gruppe. Du gehst in das Stadion und fühlst dich diesem Kollektiv mit dem Namen X verbunden. Ist dieser Verein, sagen wir mal, Bayern München, erfolgreich, dann auch du, weil du dazugehörst bzw. sagst du dir das innerlich.

 

Ich meine, was verbindet dich denn mit Bayern München? Früher war ich auch drei, vier mal in der Allianz Arena, ein wie ich finde sehr imposantes Stadion, habe gelitten, mich gefreut, wenn Spiele gewonnen oder verloren wurden. Aber in Wahrheit? In Wahrheit ist gar nichts passiert. Du bist einfach da gesessen, und hast zugeguckt wie andere sich bewegen. Und weil alle um dich herum sich eine Geschichte drumherum zurechtfantasiert haben, sei es eine Ligen-, Tabellen oder Endspielkonstellation, hast du eine scheinbare Wichtigkeit in die dortigen Handlungen hineininterpretiert. Rein objektiv gesehen ist es doch völlig gleichwertig, ob ein Ball beim Aufwärmen ins Netz fliegt, oder während eines Meisterschaftsspiel. Beide Male fliegt ein Ball ins Netz, einmal wird sich gefreut, einmal ist es einem egal. Es ist ein Scheinerleben. 

 

Nun verstehe ich auch die Leute, die das eh schon von Anfang an als sinnlosen Zirkus gesehen haben. Es ist einfach viel zu weit von einem selber weg. Anders wäre es, wenn du dir bei Profis etwas abguckst, was du selber anwenden kannst, sei es etwas Fußballerisches, oder eine bestimmte, inspirierende, disziplinierte Herangehensweise ans Leben, die sie so gut in ihrem Job hat werden lassen. Das hätte dann wieder einen direkten Nutzen für dich, weit mehr als dieses rein mentale Ergeilen an sogenannten Erfolgen eines Logos.

 

 

 

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© 2019 Christian Nikitin, Freising, Deutschland, chrnikitin[at]protonmail.com

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