Umgang mit Zweifelsäern

19/12/2018

Gerade habe ich unter meinem Video "Aus dem Loch der Empörung rauskommen" auf BitTube einen Kommentar gefunden. Das ist mir vorher nicht in den Benachrichtigungen aufgefallen. Das Video war gut, weil es klar den Fehler anspricht, der zum Selbstverlust führt, wenn die gesellschaftlichen Entwicklungen einem zuwider gehen. Anstatt die Konsequenzen für sich zu ziehen, wird nämlich lamentiert und eine Stimmung der Ohnmacht erzeugt. Das ist eindeutig nicht hilfreich, und wurde von mir so angesprochen.

 

Der Tonfall des Kommentars war entsetzlich, ziemlich ironisch, fast schon zynisch. Ich habe ihn deswegen gelöscht. Da ich dazu tendiere mir den Dreck anderer reinzuziehen, will ich das nicht auf mir sitzen lassen, und diese Gelegenheit nun für mich nutzen, um mein Verständnis zu überprüfen. So gesehen kann ich diesem Fuzzi nur dankbar sein.

 

Mir wird dadurch auch klarer, was da draußen eigentlich für ein Publikum ist, und wie naiv meine Vorstellung ist, dort auf Resonanz zu stoßen. Die Realität schaut oft anders aus. Zum Glück sind da aber auch noch Menschen, die einen unterstützenden Vibe verbreiten. Da habe ich dann auch ein gutes Gefühl. Es ist halt einfach direkt zu spüren, was jemand für ein Anliegen hat.

 

Jedenfalls war dieser Kommentar pures Gift. Das ist aber schon beim ersten Überfliegen zu spüren. Ist das ehrlich gemeint, oder soll das nur Zweifel sähen? Will der dich zum Weitermachen ermuntern, oder dir die Zuversicht und den Mut nehmen? Das ist bereits am Anfang zu merken. Gelesen ist es schon, aber wenn es jetzt schon so ist, dann lerne ich jetzt wenigstens etwas daraus.

 

Meine Ablehnung der Empörung wurde als Weltflucht interpretiert. Wer sich nicht empört, der flüchtet vor der harten Realität in Politik und Gesellschaft in seine private Welt. Er macht jetzt Sport, Beruf, seine eigenen Sachen eben. Er schaltet alle Medien ab, vermeidet Kontakt zu anderen Menschen, um in seiner kleinen, heilen Welt zu sein. Es ist das typische eindimensionale Denken, was im Verstand abläuft, und nicht kapiert, daß das Bei-sich-ankommen erst das In-der-Welt-ankommen ist.

 

Genau diese Leute leben aber genau in ihrer unoffenen, stickigen, engen Welt, und denken, sie würden durch ihren Konsum der Nachrichten und durch ihren unterschwelligen Frust und Groll irgendetwas Wertvolles tun. Dabei ist genau das Gegnteil der Fall, weder für sie noch für andere entsteht etwas Bereicherndes. Stattdessen wird alles nur noch düsterer, noch verbiesterter, noch uninspirierter. Nichts passiert mit solchen Leuten, und anderen helfen sie damit sowieso nicht.

 

Schließlich scheinen sie ja die Typen zu sein, die sich für das Wohl der Gesellschaft interessieren. Sie sind ja an Aufklärung und an Fortschritt dran. Wer sich auf seine Situation besinnt ist ja ein Weltflüchter, der sich wichtiger nimmt, als die gesellschaftlichen Entwicklungen. Der läßt alles nur noch laufen, flackt auf der Couch und schaut zu, wie das Schiff untergeht. 

 

Was macht aber dieser Typ, außer Kommentare unter Videos abzulassen? Nichts. Er sitzt zuhause, ungesehen, unbemerkt und sicher vor seiner Tastatur. Und hier und da meckert er seine Mitmenschen voll, wie schlimm denn die Umstände sind unter denen wir hier leben. Aber er ist informiert. Er hat den Durchblick. 

 

Ja, ich weiß, jetzt maße ich mir an, selber den Durchblick zu haben. Am Ende hat ja schließlich keiner eine Ahnung. Wir müssen uns deswegen alle immer wieder hinterfragen, damit wir zu einer Lösung kommen. Wer nicht zweifelt ist doch hoffnungslos verloren. Und der, der doch meint etwas verstanden zu haben, sollte das schleunigst ausgetrieben bekommen. Der kann doch nicht so besessen sein, und sich vollkommen absolut setzen. Das geht ja mal gar nicht. Der muß mal von seinem hohen Roß runter.

 

Wie gesagt, ich tendiere dazu, mir zu mißtrauen. Das wird jetzt deutlich. Und verstehe erst langsam, daß die Arroganz darin zu finden ist, wo das Menschliche nur vorgetäuscht wird. Wo etwas angeblich nur zu deinem Besten ist. Wo dir weise von oben auf die Schulter geklopft wird, auf Art guter Kumpel. Wo der gute Rat kommt, es doch besser einfach sein zu lassen. Zu peinlich, nicht? Wenn jemand von sich her kommt, und sich nicht mehr hinter einer falschen Sicherheit und Stärke verstecken kann. Dann wird klar, daß auch du gefordert bist, genau den selben Schritt zu tun, weil du weißt, daß du in der exakt gleichen Position bist. Bist du dafür bereit?

 

 

 

 

 

 

 

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© 2019 Christian Nikitin, Freising, Deutschland, chrnikitin[at]protonmail.com

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