Die Schramme des Grauens

27/12/2018

Heute konnten wieder ein paar Dinge angegangen werden. Da wäre z. B. der Vorwurf der Fahrerflucht. Dem Anwalt habe ich das Mandat gekündigt (logisch; war ein rein kafkaesker Vorgang, daß ich mich an ihn gewendet habe), und mich in der Polizeiinspektion nach dem Stand der Dinge erkundigt. Leider war der zuständige Fallleiter nicht da, erst am 31. Dezember ist er wieder da.

 

Den Namen des Anklägers hatte ich bereits, die Adresse suchte ich mir aus einem Telefonbuch heraus. Ich fuhr also dorthin, und eine junge Frau begrüßte mich an der Haustür. Ich wollte einfach nur wissen, was los war. Sie zeigte mir eine wirklich kaum sichtbare Schramme hinten links an ihrem Mercedes. Da der Wagen sehr neu war, hätte sie den Schaden gerne ersetzt. An meinem Auto ist vorne rechts ebenso eine kleine Schramme zu sehen, jedoch deutlicher, aber auch nicht wirklich markant. 

 

Ich hätte aber nicht sagen können, ob ich das wirklich war, und ob meine Schramme bereits schon vor dem Vorfall an meinem Auto vorhanden war. Mein Toyota hat schon 12 Jahre, und zwei Vorbesitzer auf dem Buckel. Auf eine kleine Schramme habe ich beim Kauf nicht geachtet.

 

Fakt ist jedenfalls, daß sie an besagtem Tag mein Auto hinter sich hat parken sehen, und daraus dann geschlußfolgert hat, daß mein Wagen den Vorfall produziert hat. Es klingt erstmal sehr plausibel, muß aber erstmal bewiesen werden. Jedenfalls weiß ich jetzt wenigstens ungefähr was los ist, und werde dann auch meine Persepektive der Polizei schildern.

 

Das Problem ist natürlich, daß die mich schon vor ein paar Wochen vorgeladen hat. In meiner Unsicherheit bin ich aber wie gesagt zum Anwalt gegangen, und habe der Polizei abgesagt. Das hat aber alles nur unnötig kompliziert gemacht. 

 

Wenn ich zurückblicke kommt mir das alles wie ein irrsinniger Wahn vor. Da habe ich aus einer Mücke einen Elefanten gemacht. Die ganzen Horrorvorstellungen, die ich mir dabei gebildet habe, haben mich nicht nüchtern denken lassen, und den einfachen Weg zur Polizei oder zum Ankläger geführt, wo ich sofort erfahren hätte, was passiert ist, und Gewißheit gewonnen, sondern erst zu einer ganz anderen Instanz, die nichts, aber auch gar nichts damit zu tun hat, und die nun auch noch Geld von mir verlangen wird. Absurder geht es kaum.

 

Und dazu kommt der ganze Streß, dieses Thema die letzten Wochen immer im Hinterkopf gehabt zu haben, auch wenn ich mir das erstmal nicht eingestehen wollte. Es beansprucht doch immer einen Teil der eigenen Energie und Aufmerksamkeit, definitiv. Das wäre alles gegessen, wenn die Klarheit an oberste Stelle gesetzt würde und nicht das Sicherheitsdenken. 

 

Nun ist es so, wie es passiert ist, und ich werde meine Lehren daraus ziehen. Es ist sicher auch nicht schlecht Lehrgeld zu bezahlen. Damit sitzt eine Erkenntnis erst richtig.

 

 

 

 

 

 

 

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© 2019 Christian Nikitin, Freising, Deutschland, chrnikitin[at]protonmail.com

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