Die Quälerei verabschieden

31/12/2018

Heute morgen war alles komplett anders. Ich brauchte weniger Schlaf, fühlte mich direkt wacher. Auch das Laufen lief wie geschmiert, der Körper war leicht und fließend, hatte mehr Energie zur Verfügung. Das hat eindeutig was mit gestern, und den Eindrücken der Filme zu tun. Und auch mit der Öffnung beim Schreiben. Da ist wieder vermehrtes Interesse am Leben zu spüren.

 

Das, was du geschrieben hast, ist doch reiner Kitsch, reine Kitschromantik. Sowas gibt es nicht, das ist nur ein unrealistischer Film, die Menschen sind so nicht. Dann die Bilder, die ganze Sentimentalität. Das ist doch alles zu viel, du Sensibelchen trägst da zu dick auf.

 

Ja, auch das ist da. Aber diese Gedanken haben keine Bedeutung.

 

Die Andante aus Bach's Sonate in G-dur schwebt mir immer noch vor. Sie zieht einen genau dahin, wo es wichtig ist.

 

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Im Laufen fand ich heute perfektes Anschauungsmaterial: Normal meint man ja, man müsse sich quälen, also ein Tempo laufen, was schneller als angenehm ist, damit eine Art Trainingseffekt entsteht. Das ist falsch gedacht.

 

Die Grenzen sollen nicht überwunden werden. Das wäre nur Selbstquälerei, regelrechte Schinderei, nur um sich zu beweisen, daß man stark wäre. Die Grenzen sind da, wo das Tempo diese erreicht, dabei aber eine Balance entsteht, die einen ewig weiterlaufen läßt. Diesen Punkt gilt es zu erwischen. Und da fängt die Sache dann auch an, Freude zu machen.

 

Die letzten Wochen bin ich eher kleinere Strecken gelaufen, auch vergleichsweise eher langsam. Der Körper war einfach träge, und ich hätte ihn auch pushen können schneller oder länger zu laufen, aber da wäre diese Balance weg gewesen. Manchmal gehe ich auch ein paar Schritte, halte inne und dann ist da wieder Lust da zu laufen.

 

Heute ging ein ganzes anderes Tempo, ohne müde zu werden. Da war die Grenze plötzlich ganz woanders, wo es an einem anderen Tag nur Schinderei gewesen wäre. Es ist wichtig sich hier genau zu kennen, sorgsam mit sich zu sein. Viel zu lange habe ich mich in Sportvereinen selber gequält und quälen lassen, weil das ja angeblich nötig wäre. Jetzt weiß ich, daß die Bewegung dann schon ihren eigentlichen Zweck maximal verpaßt hat. Sie ist wichtig, sehr wichtig sogar, aber nicht als Egomästung, sondern als Freisetzung der Lebensgeister.

 

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Das hat auch ganz direkt mit meinem Verständnis bezüglich Kontaktaufnahmen zu Frauen zu tun. Der Film zeigt z. B. wie einfaches Sich-kennenlernen stattfindet. Ohne Schinderei oder sogenannte Selbstüberwindung. Sondern beide gehen an ihre Grenzen, müssen dabei ganz sensitiv spüren, was Ok ist, diese Balance in sich finden.

 

Der Mann kann da nur soweit gehen, inwieweit die Frau innerlich genauso weiter geht. Das heißt indem sie bereit ist, sich auf die Interaktion einzulassen, ihm auch Signale gibt, ihn einlädt. Das ist alles kein Kampf, dem sich der Mann erst zu unterziehen hat, sondern wenn zwei offene Menschen da sind, dann ist der Kontakt in Sekundenbruchteilen da.

 

Auch da habe ich mich viel zu lange gepeinigt. Am Ende ist es doch wirklich ganz einfach: Wenn der Käufer von einem Verkäufer etwas kaufen will, dann passiert das aus freien Stücken, auf einer offenen Basis. Der Käufer muß nicht erst mit sich Kämpfe austragen, sich selber dazu nötigen, sondern beide Interessen finden sich, und damit hat es sich.

 

Damit kann ich mich freuen. Ich freue mich auf die Frauen, die mich wollen, die mich einladen, die auf mich zugehen. Und die gibt es. Die sich freuen mich zu sehen, über die ich mich freue. Und wenn das nicht passiert, dann bin ich sowieso in meiner Situation, wie ohnehin auch, ob mit oder ohne Partnerin.

 

 

 

 

 

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© 2019 Christian Nikitin, Freising, Deutschland, chrnikitin[at]protonmail.com

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