Der heimsuchende Tyrann und das Ausbrechen in die Freiheit

06/01/2019

Traumbilder haben manchmal eine Kraft, die schwer in Worten wiederzugeben ist. Ich versuche es trotzdem mal, heute Nacht notiert:

 

Große Lagerhalle, etwa 3 bis 4 Kellerstockwerke. Ganz unten: Menschen, auch andere Wesen bekämpfen sich bis aufs Mark, beanspruchen Führung. Es wirkt alles extrem surreal, wie eine Fantasiewelt. Da waren so Art Dämonen mit Drachenköpfen. Einer von denen wurde immer größer, schlug alle anderen aus dem Feld und griff nun mich an. Mit einem langen Stock rammte er mir in die Brust. Meine Gebiets- und Herrschaftsgebiete seien zu machtvoll, er wäre die neue Instanz der Dominanz.

 

Dieser Hauptgegner murkst jeden ab, alle, die ihm in den Weg kommen, teilweise auch Leute, die mit mir kooperiert haben. Es tat einfach nur weh, diese Kälte und Brutalität. Er war nun ein Mann, Typus James Bond. Rigoros zermalmte er alles, was ihm in den Weg kam. Ich war nun in höhere Stockwerke geflüchtet, er war hinter mir her, voller Haß und Abneigung. Er war nun immer dichter hinter mir, wirkte unglaublich stark, geradezu unbezwingbar. Die Ausgänge der Halle oben waren zu weit weg, oder blockiert.

 

Nun ganz oben: Er war nun eher ein gehässiger, jammernder Jugendlicher in giftgrüner Kleidung. Ich wollte nur raus. So nutzte ich eine Situation. Eine Walzmaschine kam hereingefahren, vier oder fünf Leute mußten sie festhalten, so auch er. Er ahnte, daß ich nun eine Chance sehe und schrie: "Bleib bei mir, wehe du haust ab!". Er hielt mich eine zeitlang fest, aber er mußte bei der Walze bleiben, so daß ich mich lösen konnte, und zum Ausgang an die frische Luft kroch.

 

Draußen kam jemand von hinten. Er stellte sich direkt hinter mir, ich war noch am Boden. Es war ein anderer, eher dicklicher Junge, der mich lächelnd zu meiner Freiheit beglückwünschte. So stand ich auf, lief weiter zu einem Loch im Zaun. Pure Erleichterung machte sich breit, ich konnte nicht mehr eingefangen werden.

 

(In einer Traumsequenz vorher, war mir dieses Loch im Zaun ebenfalls vorgekommen. Ein Mann und eine Frau schlüpften durch in die weiten Wälder dahinter. Es war ein schöner Anblick, weswegen es mich freute, genau an derselben Stelle zu stehen, wie sie.)

 

Für mich persönlich sind diese Träume, in denen ich verfolgt werde, und mich aus Gebäuden rette, zunächst wahrlich Albträume. Sie bringen am Ende jedoch, wenn ich draußen bin, einen unvergleichlichen Genuß mit sich, nämlich einfach nur wie ein Hund zu sein, dem die Leine losgebunden wird, und der dann loslaufen kann. 

 

Die Assoziation zwischen Ego/Verstand auf der einen, und dem Wesen, das nach Freiheit lechzt, auf der anderen Seite, drängt sich auf. Da, der Peiniger, Dominator, Kontrolleur, Verfolger, Gefängniswärter, zusammenfassend der innere Tyrann, der mein Leben zur Hölle macht: Der Verstand. Aber auch da: Der Impuls nicht in seine Fänge zu geraten, ihn in seinem Wahn alleine lassen, der Herzenswunsch ihn hinter sich zu lassen. Was auffällt ist, daß dieser Tyrann immer schwächer wird, am Ende sogar ein Junge wird, der nur noch rumquengelt, seinen bedrohlichen Charakter nach und nach verliert, und am Ende völlig unbedeutend wird.

 

Das Flüchten ist hier auch interessant. Es beschreibt genau meine Lebenssituation. Ich möchte nur noch weg von Dingen, die mir schaden. Von Menschen, die mir nicht gut tun, die etwas von mir wollen, die mich nicht freilassen, sondern festhalten wollen. Von dem Teil, der gefangen halten, nach unten ziehen, zerstören will, peinigt, verfolgt. All das einfach nur hinter mir lassen, und in eine offenere, weitere Welt laufen. Hin zum Licht. Mein Leben zurzeit, ja, das ist genau dieser Vorgang. 

 

Flüchten, das klingt aber negativ. Ich kann mit diesen Dämonen auch nicht kämpfen, denn der Verstand ist einfach zu mächtig. Er kann nicht mit den gleichen Mitteln geschlagen werden, mit denen er agiert. Aber während ich vor ihm weglaufe, dominiert er auf eine andere Art und Weise mein Verhalten. Ich laufe schließlich von ihm weg. Ohne ihn gäbe es aber auch gar keinen Impuls die Freiheit zu suchen. Genau weil er so destruktiv ist, ist da überhaupt erst der Wille da, etwas anderes tun zu müssen, auch wenn es wie Weglaufen erscheint.

 

Auch die Stockwerke erscheinen relevant. Ganz unten die Dämonenwelt, wo es um Macht ging. Der Bauch, könnte man meinen, wäre weit unten, da wo der Wille sich zeigt, wo Interessen her kommen. Dort lädt sich das Streben nach oben auf, weg aus diesem Verließ, ans Tageslicht. 

 

 

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© 2019 Christian Nikitin, Freising, Deutschland, chrnikitin[at]protonmail.com

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