Thema: Aufmerksamkeitsenergie

08/01/2019

Nur wer alleine sein kann, kann auch zusammen sein. 

 

Jeder ist auch in Wahrheit alleine, es ist der Urzustand.

 

Alleine, es ist auch nicht ganz das richtige Wort. Da ist die Denkweise: Da ist jemand der einzeln ist, während da im Gegensatz dazu welche zu zweit, zu dritt, zu tausenden sind. Und die, die sind ja angeblich weniger an dem Punkt.

 

Das ist ein Irrtum, jeder ist immer auch an diesem Punkt, ob er es nun wahrhaben möchte, oder nicht. Auch mit anderen Leuten kommt man nicht davon weg, in seiner Situation zu sein.

 

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Nach einigen Tagen Nebel, scheint sich wieder die Sonne zu zeigen. Da zeigt sich Interesse an einfachen Kontakten und Begebenheiten, neue Blicke eröffnen sich.

 

Die ganze Stadt erschien mir heute wieder in einem ganz anderen Licht. Es ist immer wieder ein anderer Ort. Sie ist jedes Mal wieder ein unbekannter Platz, den es neu zu entdecken gilt. Und heute kam mir das noch deutlicher vor.

 

Mir fielen so jetzt erst die ganzen kleinen Läden in der Innenstadt auf. Bisher habe ich da wenig darauf geachtet, aber heute fiel mir auf, daß da alles Mögliche angeboten ist: Fotowerkstätten, Optiker, Akustiker, Goldhändler, Uhren- und Schmuckgeschäfte, Schneidereien, Kanzleien, Musikschulen, Bekleidungsgeschäfte, Cafès, Metzgereien, natürlich auch Banken, oder Bäckereien.

 

In eine Bäckerei saß ich mich vormittags etwas rein, weil ich auf einen Termin warten mußte. Wenn ich selber arbeite, habe ich natürlich selten die Möglichkeit dazu, weswegen es sehr angenehm war, mal das ganze Treiben von außen zu beobachten. In der Kleinstadt ist die Atmosphäre noch sehr wohltuend. Ältere Stammkunden, werden persönlich von den Verkäuferinnen begrüßt. Alles sehr höflich.

 

Verschiedene Leute aller Coleur kamen hinein, kauften ihre Wunschbackwaren, saßen sich hin, oder gingen wieder hinaus. Genau wie ich gingen sie alle ihren Tagestätigkeiten nach. Manche hatten mehr Zeit, andere wirkten gestreßter, holten sich nur kurz ihre Brotzeit. Es waren im Minutentakt immer andere Leute, ganz unterschiedliche Typen.

 

Mir kam, daß die ja alle genau dasselbe tun, wie ich. Die gehen da rein, und holen sich ihr Brot, oder einen Café. Jedenfalls nichts Besonderes. Und den Rest des Tages müssen sie auch schauen, wie sie ihre Zeit verwenden möchten, natürlich wie sie ihr Einkommen regeln oder was sie heute kochen möchten, wo und mit wem sie die nächsten Stunden verbringen, was sie tun wollen, was sie zu tun haben usw. usf. Da ist Null Unterschied. Weder Geschlecht, noch Alter, noch Bildung, noch kulturelle Herkunft ist hier entscheidend. Meinem Gefühl nach gibt es aber einen Unterschied, einen, der diese eben genannten in den Hintergrund rücken läßt. Und das ist eine Erfoschung wert.

 

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Anderer Ort: Warten im Landratsamt. Langes Warten war nötig, sehr langes, um endlich dranzukommen. Ich saß so da, kam auch mit einem Ausländer ins Gespräch, der neben mir saß. Er wirkte sehr unzufrieden, und fing an sich zu beklagen. Mir war das Warten nun wirklich nicht so unangenehm wie ihm, aber dennoch bin ich auch darauf eingestiegen: 

 

Ja, dieser Apparat ist an Ineffektivität nicht zu überbieten. Jede Firma wäre schon längst pleite gegangen, wenn sie so geführt würde. Kein Kunde hätte dafür einen Nerv. Moment mal, dieser Staat ist doch schon längst pleite!

 

Ich habe gemerkt, daß ich das alles nur für mich gesagt habe. Der Typ hat mich gar nicht verstanden, schaute nur etwas perplex, obwohl er Deutsch konnte. Der ist nur in seinem Alltag drin. Dem ist dieses Warten einfach nur unangenehm, der will nachhause oder was weiß ich wohin, wo es angeblich spannender ist.

 

Für die meisten Menschen sind diese ganzen täglichen, banalen Ereignisse oder eben Nicht-Ereignisse bloß ein überdrüßiges, langweiliges Trauerstück, wo nichts Neues passiert. Zur Behörde gehen, zum Bäcker gehen. Alles ein langweiliger Scheiß, immer dasselbe, jeden Tag. Selbst beim Bäcker wird nicht mal mehr was Neues ausgetestet. Man kennt ja den Geschmack irgendwann schon. Selbst Sex zählt dann zu diesen immergleichen Ritualen. Auch irgendwann bekannt.

 

Und dann das Warten. Immer nur warten.  Eigentlich will ich doch gar nicht hier sein, eigentlich will ich doch etwas ganz anderes. Ich will ganz woanders sein, da wo es schön ist, mit netten Leuten, mit gutem Essen und harmonischer Musik, mit hübschen Frauen. Das will ich doch, und nicht hier in diesem tristen Flur sitzen, neben diesen fremden Leuten und an die Wand starren, bis ich endlich so ein dummes Formular einreichen kann.

 

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Da saßen auch Frauen. Allgemein ergaben sich an dem Tag auch einige kurze Kontakte mit ihnen. Ich weiß gar nicht wo ich jetzt ansetzen kann. Bei der Behörde arbeiten fast nur Frauen. Eine ging ihren Job sehr gewissenhaft an, während eine andere, bei der ich dann noch war, sehr genervt wirkte. Dazu lief bei ihr die ganze Zeit das Radio, als ich kurz bei ihr saß. Das macht doch kirre!

 

Die Frauen, die draußen saßen wirkten unglaublich müde. Entweder nickten sie fast ein, oder sie blickten in die Leere. Eine hatte noch ein Kleinkind, mit dem aber der Mann etwas spazieren ging. Ich stelle mir das echt schwierig vor, wenn ein Kind nachts nicht einschlafen will. Du kommst ja selber nicht zum Schlafen.

 

Manche Mütter sind aber auch regelrechte Nervensägen. Die z. B. immer wieder lamentieren, wie schwierig es sei, Hausfrau zu sein. Nicht nur muß man die Kinder beschäftigen, nein, man müsse auch noch kochen, putzen, aufräumen, Wäsche waschen, einkaufen, eben den ganzen Haushalt managen. Und die Männer sind ja solche Hohlköpfe, die würden das ja gar nicht wertschätzen, usw. usf. Habe ich schon zigmal gehört, aber mir wird dabei immer ganz mulmig.

 

Mich nervt das nicht deshalb, weil es etwa nicht stimmt; ich denke nämlich, daß es sehr wohl anstrengend sein kann. Mich nervt das, weil diese Frauen so tun, als wäre das eine unfaßbare Herkules-Leistung, die sie sich abverlangen müssen. Es ist einfach so hart, diese ganzen Dinge anzugehen, aber wenn ja nur etwas Anerkennung kommen würde, dann wäre ja alles gut, so der Gedanke. Aber die Frauen bestätigen sich ja auch alle gegenseitig in dieser Sicht, fällt mir auf. Da kriegen sie doch dauernd die Bestätigung. Offensichtlich wollen sie die aber nicht. Solche Frauen wollen was anderes: Sie wollen Männern etwas reindrücken. Sie wollen ihnen Schuldgefühle geben. Sie wollen, daß Männer sie bemitleiden. Sind das starke Frauen? Oder sind das nicht viel eher kleine, weinerliche Mädchen, die Aufmerksamkeit saugen wollen?

 

Was diese heutigen Frauen nicht ertragen können, ist, eben einfach nur Hausfrau zu sein. Nichts als ein einfacher Mensch zu sein, nichts Besonderes zu sein und fertig. Deswegen muß immer wieder gezeigt werden, wie schwer es ja angeblich ist, einen Haushalt zu führen. Ja, eine Wahnsinns-Selbstüberwindung ist da nötig. Was für eine Quälerei. Lächerlich ist das. Ich meine, es gibt einem doch mehr als genug, zu sehen, wie Kinder aufwachsen, wie man Dinge zuhause in Ordnung bringt. Alleine dieses Beitragen für die Familie kann dich doch vom Herzen mehr als genug erfüllen. Zu sehen, wie Menschen aufwachsen, ihnen Werte vorzuleben, die sie für sich in ihr Leben mitnehmen können. Zusammen mit einem Partner, den man gerne hat, sein Leben zu leben. Das ist immer positiv und ein Geschenk. Du lebst eben nicht alleine, sondern du kannst mehr geben, auch andere mit versorgen. Ist doch schön.

 

Mir wird echt schlecht, wenn ich dann mitbekomme, daß diesen feministisch indoktrinierten Frauen das offenbar nicht genug ist, weil sie extra noch nach bestätigender Anerkennung lechzen. Das würde ein Mensch, der mit sich und seinem Tun erfüllt ist, doch gar nicht machen. Das wäre physikalisch gar nicht möglich. Und wenn ein Mann wirklich so schlimm ist, wie sie behauptet, wieso sucht sie sich nicht einfach einen Anderen? Die Aussage, daß es keine Anderen gäbe, ist noch absurder.

 

Was ich mir dann sage ist: Nur weg von diesen Frauen, die versuchen dir ein schlechtes Gefühl zu geben. Die sich innerlich hohl und leer fühlen, und deshalb deine Aufmerksamkeit absaugen wollen. Widerlich, ekelerregend, weg damit. 

 

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Zurück zum Unterschied: Es hat was mit Aufmerksamkeit zu tun. Ich merke z. B. gerade einen inneren Drücker, der jetzt versucht etwas rauszupressen, eine gewisse "Erkenntnis". Ich meine, ich habe jetzt einen Unterschied zwischen dem täglichen Dahinleben, und einem präsenteren Dasein angekündigt, als muß ich ihn liefern. Wo ist er also, der Unterschied?

 

Ich weiß es nicht. Er ist aber da, jedoch kaum meßbar. Genau wie diese Abneigung gegenüber den bedürftigen Hausfrauen etwas ganz Subtiles ist, etwas, daß leicht übergangen wird, weil es nicht angenehm ist, genauso ist das einfache Beobachten der einfachen Alltagsbegebenheiten etwas Feinstoffliches. Da reichen einfache Blicke, Mimiken, Körperhaltungen von Menschen, ein ganz bestimmter Tonfall, der alles verrät. Und je mehr ich das im Detail studiere, desto mehr verstehe ich auch, wie ich selber ticke.

 

Ich kenne z. B. auch diese Müdigkeit. Dieses Ich-will-jetzt-nicht, dieses Ich-will-jetzt-lieber-im-Bett-bleiben. Ich verstehe das z. B. in dieser Frau mittleren Alters, die ziemlich matt in dem Flur da saß, und ins Leere blickte. Und wie schwer es ist, da rauszukommen, sich zu verändern, daß man versteht, was einem gut tut, und das immer wieder anwendet. Daß da festgefahrene Gewohnheiten sind, die einen in Beschlag genommen haben. Das kann man alleine in einem Blick schon sehen.

 

Worum es geht ist Aufmerksamkeit. Vielleicht ist auch das der Unterschied. Nein, es ist genau das Wichtige. Bei eben genannten Menschen ist die Aufmerksamkeit zu 100% in ihrer Verstandeswelt. Da kommen sie zeitlebens nicht heraus. Da dominieren die Tagesnachrichten, Beziehungsprobleme und Sorgen das Bewußtsein. Auch bei mir. So habe ich ein Muttermal an meinem Körper entdeckt, was etwas dunkler ist als die anderen. Schon springe ich darauf an, daß es genau wie bei meinem Vater etwas Schlimmeres sein könnte. Da fangen die Sorgen an, die Aufmerksamkeit aufzusaugen, und davon kann sich niemand lösen.

 

Aber sich nicht davon dominieren lassen ist hier der Punkt. Das tun, was zu tun ist, in meinem Fall z. B. das mal von einem Arzt checken lassen, oder eben nicht. Gedanken sind hier überflüßig. Es lenkt die Aufmerksamkeit von den möglichen Herangehensweisen im Jetzt ab. 

 

Mike Hellwig beschrieb das in seinem letzten Video "Knackpunkt in der Radikalen Erlaubnis" sehr prägnant mit dem inneren Kind, dem es egal ist, was der sich-sorgenden, bangende Teil in einem von ihm hält. Das innere Kind will einfach spielen, tun, Abenteuer erleben, machen, Sachen ausprobieren. Und das tut es auch, wenn ihm der Raum dafür gegeben wird. Es ist in jedem angelegt, bei allen genannten Erwachsenen im Alltag genauso, aber es kommt nicht heraus. Und das ist das eigentliche Elend, und nicht, daß einem zu wenig Liebe entgegengebracht wird, oder daß man in einer Schlange warten muß.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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© 2019 Christian Nikitin, Freising, Deutschland, chrnikitin[at]protonmail.com

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