Das Eindringen in das Intimste | Der neue Christian 1 - Ich bin anders als ihr (Video)

12/01/2019

Das Eindringen in das Intimste

 

Was da Herrn E. passiert ist, wirkt auch bei mir nach. Dieses Eindringen in die intimste Sphäre, um dort Schaden anzurichten. Sowas ist doch einfach total entwürdigend. Jemand platzt einfach in deinen privaten Bereich ein - nenne er sich wie er will, möge er sich noch so gute Gründe zurecht legen - und diktiert dir, was du zu tun hast, was du ihm zu übergeben hast. Du bist in dem Moment total degradiert. Von Rechten oder der Würde des Menschen bleibt nicht mal ein Hauch.

 

Wieso mir das so nahe geht? Nun, ich habe das schon gestern angedeutet: Es ist meine Lebensgeschichte. So bin ich aufgewachsen, aus genau so einem Milieu komme ich. In dem Fall ist es nicht Vater Staat gewesen, in dessen Namen bei mir durchgegriffen wurde, sondern es war mein leiblicher Vater. Gut, jetzt werden viele sagen, du wiederholst dich; wie oft willst du noch drauf rumhacken, hast du doch schon zigmal erwähnt; laß das mal Vergangenheit sein.

 

Ich werde damit aber nicht Ruhe geben, und es solange ans Licht zerren, wie es mir nötig erscheint. Ich habe sogar das Gefühl, es eher noch viel zu selten zu tun. Es kann gar nicht oft genug betont werden, und nach außen posaunt werden. Und das wiederholt, penetrant, so häufig, so laut, so drastisch wie nur irgend möglich. So etwas darf nicht unter den Teppich gekehrt werden. Irgendetwas in mir wird da wohl zeitlebens nie mehr Ruhe geben können. Und es ist richtig so.

 

Mir ist gestern Abend nochmal viel hochgekommen: Die ganzen Jahre, die ich in diesem Klima verbracht habe; wie gesagt, etwas Ähnliches bahnt sich ja nun auch politisch an. Das hängt  zusammen, ist von der Energie her sehr nah beieinander. Ich konnte so lange Zeit nicht einschlafen, weil es einfach die ganze Zeit gewurmt hat: Erinnerungen daran, wie ich so aufgewachsen bin, wie das eigentlich wirklich war. Nicht wie ich es mir doch noch gerne als nette Kindheit versuche zurechtzuzimmern, wo ja doch auch gute Phasen waren.

 

Alles, was ich angepackt habe, wurde niedergerissen, seien es auch die banalsten Tätigkeiten wie Fahrrad reparieren, Geschirr spüren, Handball spielen, ja selbst die Art, wie ich esse, wie ich schreibe, wie ich meine Finger halte, meine Haltung, mein körperliches Erscheinungsbild, mein Umgang mit Gleichaltrigen. Alles schien falsch und unwürdig zu sein, immer schien es was zu verbessern zu geben, zu "vermännlichen" meist. Nur was diktiert wurde, hatte zu stimmen, eben was so Diktaturen so an sich haben. Du kannst froh sein, wenn du einen kumpelhaften Schulterklopfer kriegst, weil du das gewünschte Verhalten an den Tag gelegt hast. Das sind dann deine großartigen Perspektiven.

 

Mir kommt jetzt, wo ich nicht mehr in dieser ständigen Bedrohung lebe, unter diesem regelrechten Dauerstreß, daß ich da Jahre in einem Modus gelebt habe, der einfach nur als krank betitelt werden muß. Als nichts anderes. Ich war kein freier Junge, der in seinen Kräften und Potentialen gefördert wurde. Absolut nicht. Vielleicht in einem Paralleluniversum, aber nicht hier in dieser Realität! Ich wurde von vorne bis hinten kaputt getreten. Ja, auch das klingt übertrieben, aber im Rückblick muß ich das einfach so sagen. Ich war unter dauernder Alarmbereitschaft, in den vier Wänden, in denen ich gelebt habe! Es war immer nötig auf der Hut zu sein, weil er jederzeit unangekündigt ins Zimmer preschen konnte. Genau wie das Einsatzkommando bei Herrn E.

 

Natürlich, es war seine Wohnung, aber da konnte man gut sehen, wie wenig Respekt er vor anderen Wesen in seinem Bereich hatte. Ich meine, nur weil jemand auf meinem Territorium lebt, muß ich ihn doch nicht wie Dreck behandeln? Besonders wenn dieser auch anfangs nirgendwo anders hin kann. Alle hatten sich ihm unterzuordnen; mußten das befolgen, was er empfahl, das Lesen was er vorschlug, das Essen, worauf er Lust hatte, da Lachen, wo er es erlaubte. Das also der Mensch, mit dem ich - zumindest als Junge - knapp 50% meiner gesamten Interaktionen mit Menschen überhaupt hatte. Das soll die glorreiche Vater-Sohn-Bindung sein, die die Kultur z. B. in Filmen so hochlobt? Für mich war das immer nur ein schlechter Witz.

 

Das was oben genanntem Webpublizisten passiert ist, ist im Vergleich noch harmlos, weil ihm jetzt einmalig Sachen entwendet wurden. Er war für ein paar Stunden unter Feuer, und das war es dann auch. Mir wurde jahrelang regelmäßig, ja fast schon jeden Tag, meine Kraft abgesaugt. Für meinen Vater war ich wie eine Batterie oder eine Akkuladestation, an der er sich jeden Abend seine Portion Selbstvertrauen aufladen konnte. Da konnte er nach Lust und Laune seinen Frust abladen, sich wieder erstarkt fühlen, wo er sonst im Alltag, im ungeliebten Beruf, unter Kollegen, auch im Sportverein, keine Erfolgserlebnisse sammeln konnte. Daheim, da konnte er der King sein.

 

Meine Vitalität wurde systematisch abgepumpt. Es war so. Dieser Vater hat es genossen, mich unten liegen zu sehen und sich daran aufzugeilen. Diese Macht in seinen Augen, endlich eine Bedeutung zu haben; dieses Triumphgefühl, das gab ihm immer so einen Kick. Danach war er süchtig, auch wenn er es ihm nachhinein nicht zugeben wollte und so tat, als würde ich das nur frei erfinden. Er hat mir alles gestohlen. Jeden Glauben an mich, in meine Fähigkeiten, alles, jeden Rest von Männlichkeit, nichts davon durfte noch in irgendeiner Weise existieren, wurde nicht nur malträtiert, sondern hatte ihm, und nur ihm zuzufließen. Kein Bißchen durfte übrig bleiben. Man kann sagen, ich war wie ein Eunuch, ein kastrierter Diener eines Tyrannen. Der sich ducken mußte, der seine Wutanfälle aushalten mußte, der als Projektionsfläche für alles Versagen und für alle Schlechtigkeit herhalten mußte. Diese Menschen wurden entmannt, da sie dann keine Gefahr mehr darstellten.

 

Kein Wunder, daß ich am Ende nur noch wie ein nasser Sack war, der hundemüde nach einem kurzen Schultag heimkam, und nur noch schlafen wollte. Und auch da drauf wurde rumgehackt. Ich würde zu viel pennen. Ja, wieso denn? Ich hatte einfach keine Energie mehr für mich übrig. Natürlich auch nicht für Frauen. Wie denn auch? Da war nichts mehr übrig. Ich hätte auch genauso gut umfallen können, weil ich nur noch eine Hülle war. Von wegen junger Mann. 

 

                                                                                        Ich mit etwa 16

 

Das kommt mir jetzt alles so hoch, aber es muß so hart ausgedrückt werden. Dieses Zerstören eines anderen Lebewesen, und sei es nur ein Eindringen in dessen Privatsphäre, ein Beklauen seiner jahrelang hart erarbeiteten Leistungen, oder ein Rauben all seines Lebensmutes und seiner Zuversicht, es ist in allen Formen eine Grausamkeit jenseits von Worten. Es muß wirklich selber so erlebt werden, um wirklich glauben zu können, daß so etwas möglich ist. Wie mies und erbärmlich man sich da in seiner Haut fühlt. Und nicht nur, weil es eben die "Pubertät" ist, sondern weil man sich vor sich selber ekelt. Wie verbittert man da bereits als Jugendlicher sein kann, was manche erst in ihren 40ern als Midlife-Crisis zu erleben scheinen.

 

Wie auch immer. Ich versuche das zu verstehen, und komme erst langsam da heran. Dieses Gefühl, wie es damals war. Es noch einmal zu durchleben, erscheint mir zurzeit schier unmöglich. Ich möchte Gas geben, aber gleichzeitig tritt etwas auf die Bremse. Ich habe Kontakt zu Frauen, aber irgendetwas zieht mich zurück, sowas würde nie funktionieren. Ich möchte Erfolg haben, auch beruflich, Fähigkeitentechnisch, aber das geht ja nicht, ich könne so etwas nicht managen, ich könne nicht liefern, wenn es drauf ankommt. 

 

Es gilt natürlich zu trennen. Es gibt durchaus Möglichkeiten für mich, Dinge, für die ich verantwortlich bin, die ich angehen kann, und wo ich spielerisch meine Grenzen austesten und ausweiten kann. Das geht schon, und treibt mich auch an. Aber diese Prägung ist in all ihrer Härte noch in den Knochen. Das merke ich wieder. Eindeutig. Ein Erfolgstyp, Alphaman, werde ich in diesem Leben sicher nicht (gut, will ich auch gar nicht). Diese Geschichte, ja sie ist nur Vergangenheit, deshalb ist sie auch zum Teil nur im Verstand wieder abgespult.

 

Die Orte, an denen das passiert ist, existieren so nicht mehr bzw. leben dort jetzt ganz andere Menschen, und dort werden nun ganze andere Stories geschrieben. Aber diese Bilder kriege ich nicht mehr raus. Keine Chance. Die sind im System. Wie soll das jemals ausgetilgt werden? Alleine der Versuch ist reiner Irrsinn. Auch alleine die Frage. Es geht eher um die Bewußtheit, ganz unabhängig von den Ereignissen; von dem, was war, auch von dem, was noch auf uns hier wartet. Es gilt dies als Vermächtnis, als Teil dieser Existenz anzunehmen, es zu verstehen, damit zu leben lernen. Und vor allem auch den Teil zu akzeptieren, der Unrecht niemals schweigsam akzeptieren wird, und darüber schreibt, spricht, das beiträgt.

 

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Der neue Christian 1 - Ich bin anders als ihr (Video)

 

 

Meine persönliche Geschichte ans Licht bringen - Die Wunde anerkennen - Die Meisten kennen mich nicht - Zum Glück bin ich anders als ihr, und bin stolz darauf - Die Würde zurückgewinnen - Das beschränkende Umfeld hinter sich lassen (Beispiel: Arnold Schwarzenegger) - Aus dem Loch herausgraben - Unrecht ansprechen als Lebensaufgabe 

 

 

 

 

 

 

 

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© 2019 Christian Nikitin, Freising, Deutschland, chrnikitin[at]protonmail.com

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