Weiteres in der Geschlechter-Sache

25/02/2019

Durch den Beitrag gestern mit den persönlichen Schilderungen, ausgelöst durch den Film, ist mir im nachhinein noch was aufgefallen. Genau wie dieser Charakter "Angela Hayes" habe auch ich folgendes Hirngespinst: Das andere Geschlecht findet mich doch rattenscharf! Das sehe ich doch alleine an den Blicken. Ich bin schließlich was ganz Besonderes.

 

Wie sich herausstellt ist da am Ende aber nichts. Dadurch ensteht dann die totale Beschämung, wenn das Gegenteil herauskommt: Ich bin nur ganz gewöhnlich. Die körperliche Attraktivität mag da sein. Aber die Wirklichkeit zeigt, daß es etwas anderes ist, was Männer/Frauen tatsächlich anzieht. 

 

Jedenfalls habe ich das manchmal so, daß ich irgendwo unterwegs bin, wo hin und wieder auch Frauen sind. Mir fallen natürlich die Frauen, die mir gefallen, sofort auf. Das ist wie ein Reflex, und es fängt so eine Art Lauern an. Ich denke dann über die nach, erwische mich, wie ich einen Blick erhaschen möchte. Das ist da, und ich kann das mittlerweile ganz gut beobachten, wenn es auftritt. Das ist eine Seite.

 

Auf der anderen Seite habe ich wie oben schon kursiv beschrieben manchmal das Gefühl wie ein stolzer Gockel umherzulaufen, dem die Frauen hinterhergucken. Das ging z. B. heute einher mit einem Positivgefühl, nachdem ich einige längst überfällige Erledigungen abgeschlossen habe. Ich spazierte so gerade etwas durch die frühlingshaft angehauchten Straßen Neustifts bis hin zur Isar, und sah gelegentlich, wie vorbeifahrende Frauen mich aus Autos anlukten oder vorbeigehende kurz grüßten, was mir sonst nie passiert.

 

Ich finde beide Gedankenwahne gehören zusammen: Wie bei dem Filmcharakter dient die selbstbewußte, stolze Seite als Verschleierung für das sich-ungeliebt-fühlende, kleine Kind dahinter, daß sich, durchaus zurecht, übergangen fühlt. Und das bleibt so, solange nicht eine andere Erfahrung diesen Zyklus durchbricht. Daß eben dieser Junge/dieses Mädchen Ok ist, wie es ist, daß es liebenswert ist. Natürlich wäre es schön, wenn es wie im Film durch die Zuneigung und Annahme eines anderen Menschen passiert, aber der erste Schritt, und den empfinde ich als richtig, ist, sich dieses Verständnis einfach selber zu geben.

 

Vor allem: Nicht zu warten, auf etwas, auf daß ich sowieso keinen Einfluß habe, weil dafür die Zustimmung eines anderen Menschen erforderlich ist. Außerdem ist es ja auch so: Welche Frau würde jemanden interessant finden, der von ihr abhängig ist? Und seinen gesamten Selbstwert davon bemißt, inwieweit er von ihr angenommen wird? Die Aufgabe des Den-kleinen-Jungen-abholen will sich letztlich wohl auch keine Frau an's Bein binden, würde ich auch nicht. Das ist wohl die Aufgabe, die jeder Mensch hat: So autark wie möglich zu sein, um nicht bei seiner Umwelt wie ein Vampir saugen zu müssen, sondern ihr etwas schenken zu können, aus einem Überflußgefühl heraus, weil jedes Erleben als Bonus empfunden wird.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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© 2019 Christian Nikitin, Freising, Deutschland, chrnikitin[at]protonmail.com

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