Die Natur des Wünschens (Update 22:00Uhr)

12/06/2019

Ich tue und denke immer das Richtige. Mag sich unsachlich und anmaßend anhören, ist aber so. Selbst wenn es noch so falsch erscheint, so liegt in jedem Moment die Qualität, die zum Lernen am Idealsten ist. Um was zu lernen? Das Leben auf die bestmögliche Art und Weise zu leben, die möglich ist. Es ist immer dieser Wunsch. Auch in noch so dummen Verhaltensweisen. 

 

Vor allem geht es nicht darum, irgendetwas aufzugeben, irgendwelche Gelüste oder Sehnsüchte zu unterdrücken. Ich bin dafür prädestiniert, vermutlich durch meine Erziehung und orthodoxe Denkweisen, wie etwas zu erreichen wäre. Ja, irgendwann schaffe ich es, dann unterjoche ich noch den Verstand mit seinen Tricks und Manipulationen, wenn ich mich nur stark genug anstrenge komme ich dahinter. Würde ich darauf hinarbeiten, könnte ich lange üben. Oder wie Nisargadatta mal festgehalten wurde: Um vom Verstand loszukommen können tausende Jahre nicht reichen. Um ein geläuterter, egofreier, von allen Traumata und Beschränkungen losgelöster, fließender Mensch zu sein, ist selbst diese Zeitspanne einfach zu wenig. Auf dieser Ebene geht alles seinen Gang.

 

Noch ein Punkt: Es geht nicht darum einen Wunsch auszumerzen, sondern zu sehen, was dieser Wunsch eigentlich für mich möchte. Die Natur des Wunsches, z. B. mehr Geld zu verdienen, eine Partnerin zu haben, ist per se gut, in absolut bester Absicht für mich selber. Ich will einfach das Beste für mich. Was soll daran schlecht sein, wieso soll ich damit aufhören, warum sollte ich das unterdrücken?

 

Es ist vollkommen berechtigt Sehnsüchte zu haben. Ohne Abstriche. Was aber wichtig ist, ist diesen Wunsch zu schälen, zu seinem Kern hervorzudringen und herauszufinden, was ich mir eigentlich vom Erfüllen dieses Wunsches erhoffe. Das kann Glückseligkeit sein, oder Freiheit, oder sensorische Genußerfahrungen, oder einfach Zufriedenheit, kitschig auch innerer Frieden genannt. Das Wunschobjekt soll ja nur etwas Bestimmtes in mir auslösen oder wieder auffüllen, irgendetwas, wo ich meine, einen Mangel zu spüren. 

 

Das Blöde ist meist nur, daß genau das dafür sorgt, daß genau das dadurch verfehlt wird. Ganz einfach: Weil die Richtung von außen nach innen geht. Das Innen, die Befindlichkeit, auch Einheit im Denken, Fühlen, Handeln, gerät im selben Moment aus der Balance, und damit auch das, was man eigentlich erstrebt. Es geht also im selben Moment schon kaputt, wo nach außen gestrebt wird, und selbst die Erfüllung des Wunsches kann das nun nicht mehr reparieren.

 

 

 

Das mit den Frauen ist hierbei ein gutes Beispiel. Die falsche Perspektive erhofft sich die Erfüllung durch Eintreten des erhofften Zustands, z. B. Zweisamkeit, Nicht-alleine-sein, Sex, Orgasmus. Die eigentliche Perspektive ist aber: All das Ankommen, das in den Erlebnissen angestrebt und vermutet wird, ist bereits jetzt schon vorhanden. Wahnsinn, oder? Aber so ist es. Was bedeutet Ankommen? Es bedeutet bereits am Ziel zu sein, und von da auszugehen, und nicht wie die gängige Sichtweise behauptet, durch Erreichen eines Zustands zum Ankommen zu kommen.

 

Auch in der Esoterik-/Erleuchtungsszene ist das der geläufige Irrtum. Mit der Erleuchtung ist die gigantische, finale Erlösung erlangt. Und dann, frage ich immer? Wie lebst du dann dein Leben? Wenn du Montagmorgen in die Firma mußt. Wenn du mit nervigen Chefs und Kollegen zugange bist. Wenn Schwierigkeiten in der Familie, mit der Partnerin, mit Nachbarn, mit der Steuerbehörde oder mit den politischen, gesellschaftlichen Umständen auftreten. Was bringen da noch die tollen Erfahrungen, oder die noch so tiefgreifende Erkenntnis und Weisheit? Ich kann es sagen: Null bringen sie.

 

Es ist wirklich wichtig zu verstehen, daß das, was ich eigentlich will, keiner expliziten Erfahrung bedarf, und sei sie noch so schön, noch so beglückend. Gut, es mag sein, daß das allzu komisch und theoretisch wirkt. Ich meine, Sex, Frauen, das sind durchaus mitunter interessante Erfahrungsmöglichkeiten muß ich sagen, besonders, weil ich das eben nicht so ausleben konnte, wie es für einen Mann meines Alters eigentlich typisch ist. Es hat natürlich seinen Reiz, wie gesagt, Unterdrücken der Biologie wie ein zolibatärer Mönch, das ist nun wirklich nichts, was jemand wollen sollte. Aber, was ich nun nach öfterem Klarmachen wohl nun langsam anfange zu verstehen, ist, daß da nicht das geboten wird, was ich mir vorher immer versprochen habe, und was auch die Gesellschaft in Filmen, Romanen und Geschichten penetrant versucht zu vermitteln: Das große Lebensglück, das Erfüllen aller Träume, das Ankommen im eigenen Leben. Das kann und wird diese Sache einfach nicht bieten, unmöglich. Dafür ist sie auch nicht da.

 

Was bleibt ist das ganz einfache Spiel zwischen Mann und Frau, zwischen diesen zwei Polen. Wie Strom ist es schön, wenn die Energien fließen können, und es kann genossen werden, solange es passiert. Und wie bei jedem Spiel muß auch kein bestimmtes Ergebnis dabei herausspringen, gibt es auch kein Festhalten, keine Verlustängste, weil Hey: Wieso sich aufregen, wieso sich unnötig Leid erzeugen, wenn es sowieso um nichts geht? Je mehr ich meine, da etwas verdient zu haben, Forderungen stellen zu können, oder mich selber bemitleiden zu müssen, desto klarer zeigt sich, wie wenig ich vom Sinn und Zweck der Mann-Frau-Existenz als solcher verstanden habe. Ich habe da keine Rechte, keinen Nutzen, keine Vorteile zu erwarten, weil es ist nichts als Natur, blankes Sich-erfreuen an den Werkzeugen, Sinnen und Eindrucksmöglichkeiten, die sie uns bietet. Und die Polarität sorgt dafür, daß da Bewegung reinkommt, daß sich da etwas anzieht und abstößt, völlig spontan, ohne End-Ruhepunkt, wo niemand am Ende mehr oder weniger Glück oder Pech auf der Habenseite hat, als jemand anderer.

 

 

 

 

 

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© 2019 Christian Nikitin, Freising, Deutschland, chrnikitin[at]protonmail.com

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