Thema: Alleine-sein

17/10/2019

Meine Frage an GLR in seinem Livestream:

 

Ich finde mich in einer Widerstandshaltung gegenüber der Welt wieder: Verkorkste Gesellschaft, verhinderte Sexualität, gehässige Mitmenschen lassen mich ins Alleinsein flüchten. Dort ist alles in Ordnung, es stinkt nichts, es gibt keine Auseinandersetzungen. 

 

Wie ein Mönch im Kloster erscheint mir Entsagung die einzige Option, mit der ich gesund bleiben kann. Wie kann ich trotzdem nicht resignieren, und meine Energien ohne Abstriche oder Verzichtshaltung einsetzen?
 

Was ich dazu verstanden habe:

 

Ich bin schon alleine, es ist nicht ein Zustand der anders ist, wenn ich mit anderen zusammen bin.

 

Ich muß das noch weiter auf mich wirken lassen, mir ging das alles noch viel zu schnell. Das Alleine-sein ist nämlich der Urzustand, kein Zustand außerhalb der Gesellschaft, der irgendwie mit Menschen nicht da ist, und ohne andere Menschen in der Nähe da ist. Was verstehe ich nämlich normalerweise unter Alleine-sein? Es ist ein isolierter Zustand, wie hinter einer Wand von etwas getrennt. Ja, aber von was getrennt? Anderen Menschen? Wie gesagt: Von denen bin ich sowieso immer getrennt, und Sympathie, selbst Sex vermag das nicht zu ändern. Von was fühle ich mich also im Allein-sein getrennt? Ich denke, daß das die entscheidende Frage ist. Da liegt das Gold vergraben.

 

Ist es Zuneigung, ist es Bestätigung, ist es das Gefühl, angenommen zu werden, oder dazuzugehören, in geselligen Gruppen mit von der Partie sein, in einem Projekt oder in einer Tätigkeit eine Rolle zu spielen, Gespräche zu haben, sich auszutauschen? Wenn es all das wäre, dann ist es keine Antwort auf meine Frage, denn vieles erlebe ich bereits jetzt, und wenn nicht, dann kann mich nichts auf der Welt daran hindern, dahinzugehen, wo das möglich ist. Das will ich aber nicht, denn sonst würde ich das einfach vemehrt tun. Es ist also etwas anderes.

 

Ich bin, wenn ich einsam bin, eher enttäuscht. Die Umgebung hat mir etwas vorenthalten, ich fühle mich verraten, im Stich gelassen, sie hat mir alle Wünsche und Forderungen für mich und ein glückliches Leben nicht erfüllt. Das kenne ich sehr gut von mir z. B. als ich an Silvester vor ein paar Jahren weinend im Treppenhaus meiner Großeltern saß, weil ich nicht bei damaligen gleichaltrigen Kumpels mitfeiern konnte, weil sie alle woanders waren z. B. mit ihren Freundinnen. Das war das, wo ich sagen würde: Da habe ich mich alleine gefühlt. 

 

Das führt mich weiter: In der Regel spreche ich für jeden Mann, wenn ich sage: Ohne Frau/weibliche Zuneigung in meinem Leben fühle ich mich zwangsläufig alleine, unausgefüllt, leer. Wie schon oben beschrieben scheint mich das Erfüllen dieser Bedingung vom Allein-sein zu erlösen. Ich bin dann nicht mehr getrennt, bin wieder im Einklang. Aber das ist es nicht. Es ist keine Klärung, denn dann könnte ich sagen: Wenn ich Hunger habe, dann muß ich nur was essen, und die Sache ist gelöst. Aber der Hunger kommt immer wieder, endlos, selbst wenn er mal für ein paar Minuten und Stunden gesättigt ist, so kommt er definitiv irgendwann wieder. Es ist wie ein ständiger Mangel, der gestopft werden muß, und so ist jeder auf der Suche nach dem Stopfern dieser inneren Leere, dieses Unbehagens, sei es eben durch Essen, Sex, oder Unterhaltung, Geselligkeit, Spiele, Arbeit, Hobbies, was auch immer.

 

Dieses Unbehagen konnte ich schon einige Jahre in regelmäßigen Abständen studieren. Es kam wie schon erwähnt abends an Silvester oder an Wochenenden, wenn ich ausschließlich für mich war, auf. Oder an langweiligen Nachmittagen keine Beschäftigung fand. Oder in der Ruhe nach intensiven Erfahrungen z. B. einem Sportevent an dem ich teilgenommen habe, einst damals beim Handball. Es ist latent immer da, nur übertüncht durch oberflächliche Augenmerke und Ablenkungen. Die trennen mich vom Sehen der wahren Umstände: Im Alleine-sein fühle ich mich von mir selber getrennt. Weil ich dann merke, daß ich selber ziemlich arm dran bin, weil ich meine, mich die ganze Zeit von mir wegbewegen zu müssen. Ich halte den Hunger nicht aus, ich bin abhängig, ein Junkie, ständig von Gier und Habsucht getrieben. Das fällt dann zwangsläufig auf, und läßt, lasse ich mich davon treffen, erstmal die Kinnlade runterfallen. Damit gilt es sich weiter zu konfrontieren, und vertraut zu machen. 

 

*

 

Aus Schamane in Deutschland - Teil II Band 2, S. 269:

 

[...] Es ist, wie wenn alles nach unten abrutscht und man hält sich hier und da noch etwas fest, aus dem Reflex heraus, lieber das Altgewohnte zu behalten, anstatt das ungewisse Neue zu erfahren, das anders ist als alles, was man sich gewünscht hatte. Und dann gibt es eine andere Kraft, die bereit ist, es darauf ankommen zu lassen, und die im Verborgenen weitertreibt und weiterschiebt ins Ungewisse.

 

Wenn ich mich also mit dem Allein-sein konfrontiere, dann ist es nicht so, daß ich das bekomme, was ich mir gewünscht habe. Es geht aber um was anderes, und das ist das eigentlich Wertvolle.  

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© 2019 Christian Nikitin, Freising, Deutschland, chrnikitin[at]protonmail.com

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