Man ist sich selbst die größte Strafe

25/10/2019

Man ist sich selber die größte Strafe, indem man sich ohne wirkliche Notwendigkeit in Stimmungslagen hineinversetzt.


Beispiel: Gehen zur Schlange der Supermarktkasse. In der anderen Reihe steht eine junge Frau, wir schauen uns kurz an, sie scheint mich sympathisch zu finden, wechselt die Reihen und stellt sich nun hinter mich, auch wenn die Reihe in der ich nun stand, nicht kürzer war. Im Verstand nun die Überlegung, ob das von ihr nun ein deutliches Zeichen war, und daß es wohl angebracht wäre, sie anzusprechen.


Ich kenne dieses Muster schon seit einigen Jahren bei mir, und konnte auch diesmal gut sehen, wie da nun geplant, gefordert oder rumüberlegt wird. Die Option, einfach da zu sein, und zu schauen was ohnehin passiert, gibt es dann nicht mehr. Aber auch das kann einfach gesehen werden, und dadurch kommt von selber die Möglichkeit, daß ich einfach frei bin, absolut nichts sagen oder tun zu müssen. Damit endet automatisch die Selbstquälerei, der Verstand kriegt kein Futter mehr.


Bei einem anderen Menschen beobachtet: Endloses Nörgeln und Lamentieren. Alles nervt, die Umstände in denen etwas getan wird, die Art und Weise wie das vonstatten geht, die klimatischen Bedingungen, die Mücken, die im Gesicht rumfliegen. Es mag durchaus unangenehm sein, das kann und will ich gar nicht abstreiten, nur ist 99% der Pein alleine durch das Hineinsteigern in die Frustration und Genervtheit bedingt, nicht durch die Umstände. Ich weiß, daß mir hier so gut wie keiner mehr folgen kann. Aber es ist nie das im außen, was so unerträglich ist, sondern die elendige Bewertung im Verstand, die endlos Reibung erzeugt, und darum Emotionen aufbauscht, die noch mehr anstacheln, bis man tatsächlich meint zu glauben, das alles wäre absolut real. Ist es aber nicht. Was real ist, ist vielleicht die Kälte. Oder der Mückenstich. Oder die Verletzung an der Haut. Aber das für sich ist nur ein kurzer Moment des Schmerzes, während die Verstandesplärerei die reinste Selbstbestrafung ist, im schlimmsten Fall für mehrere Minuten und Stunden.


Was ich von mir von früher auch kenne: Gähnen mit jaulendem Tonfall in Gegenwart anderer Menschen. Auch das ist gar nicht notwendig. Ich meine, was soll das? Jeder im Raum soll merken, daß ich müde bin oder was? Der arme Junge verdient wohl eine Runde Mitleid. Was für ein Zweck sollte das denn haben? Dieser laute Ton ist gar nicht erforderlich, natürlich schon gleich gar nicht, weil es ganz klar auch ohne geht. Auch in solch banalen Fällen sieht man, wie der Verstand aufbauschend wirkt, selbst jede natürliche Regung ver- und regelrecht entstellt.


Die Lösung ist ganz einfach: Aufhören. Kein negatives Aufhören, sondern ein Zurückbesinnen zum effektiven Haushalten der eigenen Energien für wirklich notwendige Dinge. Für Klarheit und Integrität im eigenen Denken. Für wahre Sinneswahrnehmungen. Für echte Begegnungen mit anderen Menschen. Der ganze Humbug im Inneren Dialog hat da einfach keinen Platz. Und selbst wenn er da sein sollte: Es ist Ok. Einfach nicht noch weiter einheizen, noch mehr Holz ins Feuer geben. Irgendwann geht es von selber aus, so viel steht fest.


 

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© 2019 Christian Nikitin, Freising, Deutschland, chrnikitin[at]protonmail.com

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