Respektiere die Regel: Belüge dich selber niemals

08/11/2019

Der erste Marathonlauf in unter zwei Stunden:

 

 

Sehr inspirierend, wie ich finde.

 

Only the disciplined ones are free in life. If you are undisciplined you are a slave to your moods, you are a slave to your passions.

 

Hier geht es nicht um Kampf mit sich selbst, oder um Selbstschinderei. Es geht sogar mehr um Leichtigkeit, um ein Gleiten, weil ohne das, wäre etwas, was Kipchoge da geleistet hat, undenkbar. 

 

Besser noch:

 

If you want to be successful, you must respect one rule and that rule is: Never lie to yourself.

 

Mir gehen diese Aussagen sehr zu Herzen. Es wirft mich nämlich auf mich selber zurück: Werde ich dem gerecht? Belüge ich mich selber? Was mache ich z. B. am Wochenende, wenn ich länger im Bett penne? Oder wenn ich meine, morgens einen Kaffee zu brauchen, oder anfange zu lamentieren und zu hadern, wenn es mal etwas kälter oder nässer ist? Oder wenn ich regelmäßig im Internet surfe, mich dabei völlig verliere, mir das dann aber als Freiheit zurechtlege? Bin ich dann nicht viel eher wirklich ein Sklave meiner Stimmungen, meiner oberflächlichen Reizsucht?

 

Wie gesagt: Es geht hier nicht um die Pose, ein abgehärteter, mit sich selber rücksichtsloser Mensch zu werden, der sich selber etwas aufzwingt, was er gar nicht will, sondern um ein ganz anderen, kraftvollen Lebensstil, der ohne die Überwindung des Körpers gar nicht auskommen kann, unmöglich. Ist der Körper die erste Priorität, so verliere ich alles, was eigentlich wichtig im Leben ist: Das Lebensgefühl für etwas zu stehen, Qualität anzustreben, Klarheit zu verfolgen, einen Sinn nicht zu haben, sondern zu leben.

 

Das ist alles wie immer leichter gesagt und geschrieben, als tatsächlich praktiziert. Ich meine, jeden Tag, ja jeden Moment ist dieses Teufelchen da, das meint, daß es schon gut ist, daß alles in Ordnung ist, ich habe schon genug getan, ich habe mir schon genug Lorbeeren verdient, es reicht auch mal, laß mal gut sein. Manchmal ist das auch so, manchmal ist Ruhe angebracht und nötig, aber oft ist das gewaltiger Selbstbetrug. Wie finde ich also nun heraus, was stimmig ist?

 

Zuallerst ist sicher Folgendes zu verstehen: Es ist kein Kampf dagegen nötig z . B. gegen die Trägheit. Ist das Positive einmal klar bzw. habe ich schon mal gute Erfahrungen damit gemacht, z. B. mit Aufstehen und Bewegung frühmorgens oder Klarschiff-machen im Haushalt, so weiß ich, was mir gut tut, und gehe dem einfach weiter nach, Tag für Tag. Ich muß ja nicht mein komplettes Leben ändern, sofort alle schlechten Angewohnheiten ablegen, aber wenn ich hier und heute etwas neu tue, und da dann am Ball bleibe, dann reicht das schon völlig aus, und ehe ich mich versehe, lebe ich tatsächlich ein ganz anderes Leben.

 

Aber auch das Verändern ist hier noch gar nicht der Punkt: Natürliche Disziplin entsteht dann und nur dann, wenn nicht falsche Vorstellungen meine wahre Natur überlagern. Das hatte ich z. B. jahrelang mit sogenannten Trainings, wo die Körperüberwindung nicht zu einem Verlassen des Egos und Zunahme an Freiheit geführt hat, sondern eher zu einer Verhärtung, einer Mästung des Egos z. B. bei Sparings beim Boxen oder Meisterschaftsspielen im Handball. 

 

Der hin und wieder zu hörende, britische Kommentator im obigen Video z. B. hat das genau nicht verstanden, als er meinte: He's having to talk himself through this, als er Kipchoges Weltrekordversuch kommentierte. Das funktioniert so gar nicht. Wenn Geist und Körper nicht zu 100% im Einklang sind, geht gar nichts. Da kämpft niemand mit sich, da redet niemand zu irgendjemandem im Kopf, die rechte zur linken Gehirnhälfte oder der Verstand zum Willen, sondern der Verstand muß komplett abschalten, und nur die kindliche Freude übrigbleiben, denn das ist Laufen in seiner ganzen Ästhetik und Erhabenheit. Kämpfen würde es häßlich machen, die Balance zerstören.

 

Das haben wohl noch die Afrikaner, diese einfache, kindliche Freude, während die westlichen Typen, besonders auch die deutschen "Erzieher", "Trainer" und "Lehrer" alle wie hirnverbrannt ihre spontane Freude schon lange durch eiserne Härte ersetzt haben, die ich bisher leider auch noch zum Teil verinnerlicht habe, wenn ich z. B. beim Laufen sage, ich sollte eigentlich ja schneller laufen, weil das sonst keinen Effekt hat. Was ich aber weiß, und das ist eben die wichtige Erfahrung, ist, daß es, wenn der Wille da ist, freudvoll passiert, als freier Junge, ohne Druck, ohne Last, daß ich sogar sehr schnell laufe, viel schneller, als der Verstand es sich jemals ausmalen könnte. Zwar definitiv nicht so schnell wie Kipchoge, aber den brauche ich ja auch nicht imitieren. Ich habe mit mir zu tun, das ist alleine meine Wirklichkeit. So natürlich auch mit frühem Aufstehen, Saubermachen, Musikinstrument erlernen, Ablenkungen und Süchten entsagen. Es geht nicht mit Kampf gegen die Angewohnheit, sondern durch das Mitgehen mit der positiven Alternative.

 

Im Kern ist es aber das westliche Denken, was so unlogisch und destruktiv ist. Dieses Ich steuere meinen Willen, meinen Körper, oder sogar meine Gefühle. Wie krank das doch ist. Stimmen im Kopf meinen sich als Herrscher aufzuspielen, wo sie letztlich aber nur Kommentatoren am Spielfeldrand sind, und letztlich nur hilflos zuschauen können, wie Leben stattfindet. Das zu durchschauen ist sogar noch relevanter.

 

 

 

 

 

 

 

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© 2019 Christian Nikitin, Freising, Deutschland, chrnikitin[at]protonmail.com

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