Umgang mit dem Verstand

24/11/2019

Schlingpflanzen kannst du nicht mit der Kettensäge zersägen, da zerstörst du den ganzen Baum. Die müssen behutsam entwunden werden. 

 

Es geht in dieser Bildsprache um den Umgang mit dem Verstand. Dieser kann nicht frontal angegangen, bekämpft, der innere Dialog gestoppt werden, sondern was erforderlich ist, ist ein behutsames, ja fast schon zartes Herangehen mit dem das Wahre vom Falschen befreit wird. 

 

Die tieferen Motive müssen herausgeschält werden: Was erhoffe ich mir von einem Denken tatsächlich? Was will ich durch eine bestimmte Hoffnung oder Erwartungen, was soll dadurch für mich eintreten? Was Frauen angeht z. B.: Geht es mir tatsächlich um Sex oder ist die Erfahrung dahinter nicht eher die, mit meinem Menschsein, meiner Männlichkeit und Erotik in Kontakt zu sein? D. h. zu sehen, daß die Frau nur ein Auslöser davon ist, nicht aber die Hauptsache, um die es geht? Daß das, was ich will, schon längst bei mir ist, immer schon da war und mir auch gar nicht weggenommen werden kann?

 

Ich muß also nicht die Gedanken zerstören, sie abwimmeln, gegen sie Widerstand leisten, sondern sehen, was sie an ihrer Wurzel eigentlich möchten: Sie möchten mich glücklich machen, mir etwas geben, doch oft auf eine sehr unkluge Weise, die letztlich mehr schadet, weil sie Wünsche nährt, die so aber nicht gestillt werden können. Selbst wenn ich eine Frau treffen sollte, so würde ich die Lösung des Problems aufschieben, weil ich die Befreiung irrtümlich an diesen äußeren Umstand hefte. 

 

Es geht also nicht darum, etwas in sich abzutöten, eben mit der Kettensäge, diese belastend wirkenden Gedanken wegzuschneiden. Ich muß einfach verstehen, was sie für mich wollen, und daß es so natürlich erstmal Ok und verständlich ist. Daß dahinter ein Aspekt von Liebe für einen selber steckt, der auch in jeder Art von Egomuster ist, sei es in Rechtfertigungen, Erwartungshaltungen, Trotzreaktionen oder Anfällen von eigener Wichtigkeit, ja selbst in Verbrechen, in Morden steckt immer auch dieses "Ich will, daß es mir besser geht". Letztlich machen diese Verstandesmanöver aber dann genau das kaputt, wofür sie ja angeblich in den Krieg ziehen, weil sie das mit Ergebnissen und Erfolgen eines bestimmten Tuns verknüpfen.

 

Das, was ich suche, was jeder sucht, ist aber schon wie schon erwähnt, längst da, wie der Baum. Es muß nur wieder freigelegt werden.

 

 

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© 2019 Christian Nikitin, Freising, Deutschland, chrnikitin[at]protonmail.com

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